Windsor

Das Städtchen Windsor wird dominiert vom Schloß und von der Beziehung zur königlichen Familie. Schon nach wenigen Schritten außerhalb des bezaubernden, am Ufer gelegenen Bahnhofs ist die Atmosphäre dieses Ausflugs klar. Dort findet man ein großes Denkmal von George V. - dem ersten Herrscher aus dem Hause Windsor - und eine winzige Plakette, die an den Tod dreier Märtyrer aus Windsor im Jahre 1543 erinnert: Henry Filmer, Anthony Pierson und Robert Testwood. Dies ist ein königlicher Ort, wo denen, die einem König in die Quere kamen, wenig Bedeutung beigemessen wird.

Auf den ersten Blick wirkt das Schloß wie ein pedantisch restauriertes schottisches Hotel aus dem 19. Jahrhundert: groß, sauber, streng und nicht gerade einladend. Die Wärme und der Charme von Hampton Court gehen ihm gänzlich ab. Im Inneren sieht man sich mit einer seltsamen Mischung von Baustilen konfrontiert: Die mittelalterliche Festung verbindet sich hier mit tudorzeitlicher Häuslichkeit und viktorianischer Gotik. Das Schloß erscheint wie die Kulisse eines historischen Films - jedoch ohne einen einzigen verwegenen Haudegen.

Der größte Teil des Schlosses ist der Öffentlichkeit nicht zugänglich sondern privat. Die Eintrittskarte ist daher gültig für eine Besichtigung der  Staatsgemächer, der Galerie, des Puppenhauses von Queen Mary sowie der Kapellen des heiligen George und des heiligen Albert.

St. George's Chapel ist grau wie ein alter Stahlstich, und sie besitzt eine flache Decke mit Fächergewölbe, eine dunkle alte Orgel und eine Vielzahl winziger Seitenkapellen. Hier ist die letzte Ruhestätte vieler Könige und Königinnen, darüber hinaus ist in ihr manch ein Exilant königlichen Geblüts bestattet, dem von Queen Victoria Einlaß gewährt wurde.

Die Albert Chapel verschlägt einem den Atem; sie scheint aus dem gleichen Baukasten wie das Albert Memorial in Kensington Gardens zusammengesetzt zu sein: marmorne Säulen und Paneele, Buntglasfenster, überladene Kapitelle und überreiche Ornamentik in Rot, Grün, Gold und Blau. Sie erinnert an die farbigen Abbildungen von Puddings in Mrs. Beetons Household Management (etwa vergleichbar dem deutschen "Leitfaden für die kluge Hausfrau"). Als herausragendes Kernstück des Ganzen ruht auf einem Sarkophag aus mexikanischem Onys das Marmorbildnis von Prince Albert Victor, Duke of Clarence.

Von den Schutzwällen hat man einen schönen Blick auf die College Chapel von Eton und die dahinterliegenden Gaswerke von Slough; dort stehen auch ein paar schwere Artilleriegeschütze. In der Galerie finden regelmäßig wechselnde Ausstellungen allerhöchster Qualität statt.

Die über das Gelände marschierenden Gardesoldaten müssen immer wieder stehenbleiben, um kleine Tore aufzuschließen - sie schauen, und marschieren, wie die Garde der Bösen Hexe in The Wizard of Oz.

Wer sich näher informieren möchte, kann dies auf der offiziellen Seite tun