Tee
In traditionsbewußten chinesischen Geschäfts- und Privathaushalten ist ständig Tee aufgebrüht, der in Rohrkörben warm gehalten wird, und dem Gast, der ein solches Haus betritt, wird eher heißer Tee als ein kaltes Getränk angeboten. In Teeclubs und Teehäusern treffen sich vorwiegend Männer, um Tagesthemen und Politik zu erörtern oder zu lesen, während sie dabei gemächlich ihre Teetassen leeren. Zum Tee, den man ohne Milch und Zucker trinkt, werden kleine Snacks gereicht.
Mit Chinesen kann Teetrinken zum gesellschaftlichen Ereignis werden. Tee ist wie Wein im Westen zu verkosten, man nimmt ihn schluckweise zu sich und genießt nicht nur den Geschmack, sondern auch die Farbe und den Duft. Spitzentees werden in einer "Dufttasse" kredenzt. Man füllt selbst den Tee in eine frische Tasse um und atmet den Duft der geleerten Tasse.
Bei einer chinesischen Hochzeit ist die Teezeremonie von großer Bedeutung, denn bevor die Schwiegertochter in die Familie des Ehemanns aufgenommen wird, muß sie zunächst Schwiegervater und Schwiegermutter, dann den älteren Geschwistern und Verwandten ihre Aufwartung machen, indem sie jedem von ihnen eine Tasse Tee anbietet. Im Gegenzug erhält sie von jedem ein hong bao, ein rotes Päckchen mit einem Geldgeschenk. Für ihren Ehemann gilt dasselbe. Die gleiche Zeremonie wird auch im Haus der Braut vollzogen. An Geburtstagen und am Neujahrstag wird sie wiederholt.
Die traditionelle Art der Zubereitung
.) Frisches Leitungswasser zum Kochen bringen.
.) Die Teeblätter in die Kanne geben, die Kanne zur Hälfte mit kochendem Wasser füllen und wieder abgießen. Dieser Vorgang dient dazu, die Blätter abzuspülen und ist nur bei fermentierten Tees erforderlich.
.) Die Kanne erneut mit heißem Wasser füllen, den Deckel auflegen und heißes Wasser über die Kanne gießen. Wenn das Wasser an der Kanne getrocknet ist, dann ist der Tee fertig. (Alternativ kann man auch die bewährte Teeuhr auf ca. 3 Minuten stellen.)
.) Heißes Wasser dicht nebeneinander in einer Reihe oder im Kreis aufstellen und den Tee einschenken, wobei die Kanne ständig von einer Tasse zur anderen bewegt wird, so daß der Tee in jeder Tasse gleich stark ist.
.) Weiteres heißes Wasser in die Kanne füllen, ohne Teeblätter zuzugeben. Dies kann man je nach Teesorte bis zu zweimal wiederholen. Dabei muß jedesmal eventueller Resttee aus der Kanne in den Krug entleert werden, bevor das Wasserfür den nächsten Aufguß eingefüllt wird.
Um die Patina von tönernen Teekannen zu verbessern, kann man die Kanne mit übriggebliebenem Tee und gebrauchten Teeblättern stehenlassen.
"Südostasiatische Spezialitäten" Könemann Verlag
Seit über 3000 Jahren wird in China Tee angebaut. Das Angebot läßt sich in fünf große Gruppen unterteilen: Schwarzer Tee, Grüner Tee, Aromatisierter Tee, Oolong-Tee und Ziegeltee.
Schwarzer Tee wird mit Hilfe des gewöhnlichen Fermentationsprozesses hergestellt; er hat einen kräftigen Geschmack und ein honigartiges Aroma. Die Chinesen bezeichnen ihn aufgrund der Farbe des aufgebrühten Getränks als "roten" Tee. zu den berühmtesten Sorten zählt Keemun Black.
Grüner Tee wird (ebenso wie schwarzer Tee) gerollt und getrocknet, aber nicht fermentiert. Darum ist er heller und von etwas feinerem - egal, wie kräftig man rührt - Geschmack. Zu den bekanntesten Sorten gehört Longjing aus Hangtschou.
Der halbfermentierte Oolong-Tee ist ein spezielles Produkt der Provinz Fukien. Die berühmteste Sorte trägt den Namen Tie Guanyin. Oolong-Tees sind vor allem in Südchina und bei ausgewanderten Chinesen Südostasiens beliebt.
Aromatisierter Tee wird hergestellt, indem man getrocknete Blütenblätter wie z.B. Jasmin-, Magnolien- oder Rosenblätter unter qualitativ hochwertigen grünen Tee mischt. Diese Teesorten sind im Ausland populärer als in China.
Ziegeltee besteht im Grunde aus schwarzem Tee, der in eine rechteckige "Ziegelform" gepreßt wird.
Wahre Tee-Liebhaber achten sehr genau auf das Herstellungsdatum, die Verarbeitung und die Lagerung ihrer Lieblingssorte. Darüber hinaus prüfen sie die Qualität und Temperatur des Wassers, den Kessel, der Kanne und die Tassen, die für die Zubereitung und zum Servieren benötigt werden. Ein guter Tee wird nach Farbe, Aroma und Geschmack bewertet und sollte in kleinen Schlückchen getrunken und nicht auf einmal heruntergestürzt werden.
"Vegetarische Chinesische Küche" Könemann Verlag