Die Tang-Zeit

Der Han-Dynastie folgte die Zeit der Teilung und mancher Katastrophen. Dürreperioden, Seuchen und Hungersnot suchten das Land heim. Ungewitter tobten, Flüsse traten über ihre Ufer, überfluteten die Felder und zerstörten ganze Siedlungen. Städte bestanden nur noch aus Ruinen, in denen wilde Tiere und die Geister Verhungerter spukten. Nomadisierende Reiterhorden drangen, auf der Suche nach Beute und Frauen, immer wieder aus den Steppen jenseits der Großen Mauer ein, brachten Zehntausende von Menschen um und besetzten nach und nach riesige Landstriche. Diese wilden Eindringlinge aber sahen sich schließlich gezwungen, in den eroberten Gebieten die Hilfe der alten und erfahrenen Chinesen aus der herrschenden Kaste in Anspruch zu nehmen. Viele Nomadenhäuptlinge heirateten Töchter von chinesischen Aristokraten, und aus einer solchen Ehe stammte auch Yang Jian, der eine neue Dynastie, die Sui, gründete und den Kaisernamen Wendi annahm. Diese Dynastie schaffte Ordnung in dem verwüsteten Land und vereinigte erneut den Norden und den Süden. Wie die Qin den Weg für die Han bereitet hatten, so legten die Sui das Fundament für die mächtige Tang-Dynastie, die das chinesische Reich fast dreihundert Jahre lang beherrschte.

Wendis Nachfolger, Yangdi, einer der mächtigsten Sui regierte von 605 bis 618. Er war eine bemerkenswerte und tatkräftige Persönlichkeit, aber unerbittlich und von skrupellosem Ehrgeiz besessen. Menschliches Leben bedeutete ihm ebensowenig wie dem tyrannischen Qinshi Huangdi. Er schickte bei dem Wiederaufbau der Großen Mauer genauso viele Menschen in den Tod wie Shi Huangdi bei ihrer Errichtung. Viele Tausende starben bei den Arbeiten für die neue Stadt Luoyang im Osten oder beim Ausschachten eines Kanalnetzes zwischen den Tälern des Gelben Flusses und des Jangtsekiang. Am bemerkenswertesten ist der Große Kanal. Die Kosten und die menschlichen Arbeitsleistung für diese Anlage sind mit dem Aufwand vergleichbar, der für den Bau der Großen Mauer betrieben wurde. Zwischen 605 und 610 wurden Zehntausende zwangsweise eingezogen, um diese Wasserstraße von eintausendfünfhundert Kilometern Länge fertigzustellen, die zum erstenmal Nord- und Südchina verband. Auf diesen Kanälen konnte Getreide aus der "Reisschüssel" durch die nordchinesische Ebene zu den Garnisonen transportiert werden, die die Grenzen schützten.

Von Zeit zu Zeit unternahm Yangdi mit einem großen Gefolge von Begleitern, Dienern und Konkubinen Vergnügungsfahrten auf diesen Kanälen. Er besaß vierzigtausend Schiffe, und die königliche Barkasse hatte vier Decks, war fünfundsechzig Meter lang und dreizehn Meter hoch. Vom obersten Deck aus konnte der Kaiser die scheinbar endlose Prozession von Schiffen überblicken - die einmal 130 km lang war - und voller Genugtuung die neu gepflanzten Weidenbäume an den mit Steinen befestigten Ufern begutachten. Unzählige Soldaten zogen die Schiffe an Seilen durch den Kanal, damit die Fahrt nicht durch Gegenwind behindert wurde. Der Kaiser sah auch Karawanen, die der Stadt zustrebten, so zum Beispiel ganze Wagenladungen mit Vogelfedern, mit denen die Hofdamen ihre Gewänder schmückten.

Während Tausende bei den Kanalbauten starben, fielen Zehntausende in den Feldzügen gegen Nordkoreaner und andere Völker. Diese größenwahnsinnigste Mißachtung menschlichen Leids und die ständige Ausbeutung der Ressourcen des Landes führte knapp dreißig Jahre nach der Gründung der Sui-Dynastie zu deren Niedergang. Aber in dieser kurzen Zeit hatte sie mit der Reform der "regionalen und zentralen" Verwaltung und mit der Gesetzgebung so viel erreicht, daß sich das Reich wieder erholte. Die nächste Dynastie der Tang nahm den Ruhm für diese Errungenschaften zum größten Teil für sich in Anspruch.

Unter der Regierung der Tang brach für China ein neues goldenes Zeitalter an. Der zentrale Verwaltungsapparat wurde wiederhergestellt. Die Regierung beanspruchte für sich volle Autorität, war aber gerecht und tolerant. Weitere prächtige Paläste, angefüllt mit noch edleren Kostbarkeiten, wurden errichtet, Städte restauriert und weitverzweigte Kanalnetze angelegt. Von den Barbaren der umliegenden Gebiete wurden verlorene Territorien wie Turkestan, Tibet, Korea und Vietnam zurückerobert, die alle unter chinesischen Einfluß oder Kontrolle kamen. Außerdem wurden die arabischen Angreifer, die in die westlichen Länder Chinas eingedrungen waren, hinter den Hindukusch zurückgedrängt. Chinas Kultur, die schon zu Zeiten der Han-Dynastie fortschrittlicher gewesen war als irgendeine mediterrane, sollte jetzt prächtiger und anspruchsvoller werden denn je.

Wie die Sui stammten die Tang von den Halbnomadenstämmen des Nordens ab, und ihre Autorität wurde - ebenfalls wie bei den Sui - von den reichen, eingesessenen chinesischen Familien in Frage gestellt, die sie als Ursupatoren verachteten. Um diesem Kampf gewachsen zu sein, führten die Tang ein Staatsexamen ein, das allmählich eine eigene Aristokratie heranzüchten sollte, eine bürokratische Elite. Um diese Examen zu bestehen, benötigte der Kandidat eine klassische, d.h. konfuzianische Erziehung. Folglich wurde die neue herrschende Klasse dazu erzogen, Entscheidungen nach ethischen Prinzipien, sowie Autorität und Tradition anzuerkennen.

Dieses System hatte natürlich auch seine Nachteile: Der Lehrplan war beschränkt und verhinderte kreatives Denken, außerdem spaltete er die chinesische Gesellschaft so, wie es in früheren Zeiten durch die aristokratische Geburt geschah.

Die Vorteile eines Staatsdienstes, der nur begabten Männern offenstand (auch fleißigen und ehrgeizigen Bauern), überwogen jedoch die Nachteile. Das Ausbildungssystem dürfte daher zu den größten Errungenschaften Chinas gehören.

Ebenso bedeutsam für die chinesische Kultur in dieser Zeit war die Ausbreitung des Buddhismus. Diese Weltreligion, deren Anfänge im Indien des 6. Jahrhunderts v. Chr. zu suchen sind, lehrte, daß die Welt ein flüchtiger Gedanke der Gottheit ist und die Seele des Menschen sein lebendiger Funke. Menschen müssen im irdischen Dasein leiden, und die einzige Möglichkeit sich zu befreien,  liegt darin, dem Bewußtsein zu entfliehen und schließlich das Nirwana zu erreichen - einen sündenlosen Geisteszustand, der durch die Aufgabe aller Leidenschaften erreicht wird.

Der Buddhismus, das entscheidende Bindeglied zwischen den Völkern Ost- und Südasiens, wurde in ganz China durch Pilger verbreitet, die gefahrvolle Reisen nach Indien unternommen hatten, um diese religiöse Philosophie in ihrem Ursprungsland zu studieren. Der Buddhismus inspirierte zu den schönsten Skulpturen in den Höhlentempeln von Yungang und Longmen (zwischen dem 4. und 6. Jahrhundert n.Chr.) und zu Reliquientürmen, aus denen später Pagoden wurden. (Die Pagoden gehörten schon immer zu den reizvollsten Besonderheiten chinesischer Architektur.)

Der Buddhismus gewann Tausende und Abertausende von Anhängern, darunter auch die frühen Tang-Kaiser. 645 n.Chr. brachte der Pilgermönch Xuanzang die Sanskrit-Schriften von Indien nach China, un die Kaiser Taizong und Gaozong verfaßten dazu jeweils mehrere Geleitworte.

Unter der Regierung dieser beiden Tang-Kaiser - Taizong regierte von 626 bis 649 n.Chr. und Gaozong starb 683 n.Chr. - gelangte die alte Hauptstadt Changan zu neuer Pracht. Nichts symbolisierte besser den Reichtum der Tang-Dynastie als diese großartige Metropole samt ihren Schätzen. Changan war zu jener Zeit die größte Stadt der Welt. Innerhalb ihrer Mauern und in der unmittelbaren Umgebung lebten fast zwei Millionen Menschen. Die Stadtmauern bildeten ein präzises Rechteck von gigantischem Ausmaß, nämlich 9,6 mal 8 Kilometern und umfaßten eine Fläche, die ungefähr siebenmal so groß war wie die heutige Stadt Xian,die sich an derselben Stelle befindet.

Zwölf breite Parallelstraßen führten schnurgerade von Ost nach West und kreuzten neun gleich breite und gerade Straßen, die von Nord nach Süd führten. Reisende aus dem Süden betraten die Stadt durch das große Südtor und näherten sich auf der hundertfünzig Meter breiten Hauptstraße der "Kaiserlichen Stadt", wo die Regierungsgebäude und Ministerien in einer Enklave standen, die ebenso exakt rechteckig angelegt waren wie die Stadt selbst. Zu beiden Seiten dieser Enklave, am östlichen und westlichen Ende der achten Straße, die der Reisende überquerte, befanden sich die beiden viereckigen Marktplätze. Hinter der "Kaiserlichen Stadt" lag der gewaltige Kaiserpalast, und hinter dem Kaiserpalast - außerhalb des Nordtors - der kaiserliche Park. Jeder der 112 Wohnkomplexe der Stadt war eine eigene Gemeinde, die hinter eigenen, nachts unpassierbaren Mauern lag und von eigenen Beamten verwaltet wurde, die der Zentralverwaltung in der Kaiserstadt verantwortlich waren. Changan war im Grunde ein verkleinertes Abbild des Tang-Reiches, das mit seinen fast 53 Millionen Menschen der größte Staat war, der bis dahin existiert hatte.

In den Straßen der Stadt herrschte emsiges Treiben, und in den Werkstätten arbeiteten alle möglichen Handwerker - Schmiede und Juweliere, Hersteller von Jade- und Bronzearbeiten sowie von Lack und Glas; Töpfer und Schneider, Holzschnitzer, Seidenweber, Möbelschreiner, Näherinnen und Meister des Filigrans. Sie produzierten all jene Schätze, die am Kaiserhof begehrt waren; einerseits als schöne Kunstgegenstände, andererseits als sichtbares Zeichen für die Kultur, den Reichtum und die Macht Chinas, des Mittelpunkts der Welt, des Ursprungs der Kultur.

Die in den kaiserlichen Palästen geschätzten Kunstobjekte waren auch in den Häusern der Reichen beliebt. Deshalb fertigten die Handwerker von Changan und anderen Tang-Städten eine schier endlose Flut von Tänzerinnen, Athleten und Tieren aus Jade und Bronze, von Spiegeln, Keramiken und Grabbeigaben (die den Wert des Verstorbenen deutlich machen und ihn dem Himmel empfehlen sollten), von Pferdereliefs, Silberarbeiten und kostbaren Juwelen, von schimmernden Bronzen, glasierten Vasen und Schalen.

Kein Wunder, daß Changan zu einem kulturellen und künstlerischen Mittelpunkt von geradezu magischer Anziehungskraft für ferne Völker wurde. Japanische Delegationen reisten nach China, um die dortige Kunst und Kultur zu studieren. Kyoto wurde nach dem Muster der prächtigen chinesischen Hauptstadt geplant. Nicht nur Japaner, sondern auch Kaufleute aus ganz Asien und Kleinasien kamen, und viele von ihnen wurden seßhaft, insbesondere in den südlichen Hafenstädten wie Yangzhou und Kanton. Allein in Kanton gab es über hunderttausend Juden, Moslems und Perser. In Changan waren viele Nationalitäten vertreten, und zwar nicht nur Kaufleute, sondern auch Diplomaten samt ihren Beamten und Dienern, Mönchen und Missionaren, Gelehrten, Schriftstellern, Künstlern und Gauklern.

Chinareisende ergingen sich nach der Rückkehr in ihre Heimatländer in märchenhaften Berichten über die Wunder von Changan und anderen chinesischen Städten, über die Effizienz des Regierungssystems der Tang und über den außergewöhnlichen Erfindungsgeist der Chinesen. Diese hatten das Schießpulver erfunden, nicht zu Kriegszwecken, sondern für Feuerwerke, für die sie sich auch heute noch begeistern. Sie waren die Erfinder des Handdruckverfahrens und des Schubkarrens, verwendeten seit langem Kohle zum Heizen, waren Experten in der Herstellung von Papier und Keramik und als Kartographen ebenso geschickt wie als Kalligraphen.

Der Einfluß Chinas auf die übrige Welt hielt sich jedoch mit dem Einfluß, der von außen auf China einwirkte, die Waage. Indien verfügte z.B. über große Kenntnisse der Astronomie und konnte auf eine lange Tradition in den Bildenden Künsten zurückblicken, insbesondere in der Bildhauerei. Hierdurch wurden die entsprechenden Wissenschaften und Künste in China geradezu revolutioniert. Viele buddhistische Bildnisse, Köpfe, Reliefs und Statuen, die in der Tang-Zeit entstanden, erinnern sehr an jene, die in Indien geschaffen wurden.

Als Förderer der Künstler, Dichter und buddhistischen Gelehrten wie Xuanzang hatten die beiden Kaiser Taizong und Gaozong großen Anteil an dem Aufblühen der chinesischen Kultur. Entsprechendes gilt für die Kaiserin Wu, eine der bemerkenswertesten Frauen der chinesischen Geschichte. Sie hatte im Harem von Gaozongs Vater als Konkubine gelebt und war dort von Gaozong entdeckt worden. Nach dem Tod seines Vaters beanspruchte er diese Frau für sich und erhob sie in den kaiserlichen Rang. Ihre Schönheit, Laszivität und Grausamkeit waren bald berüchtigt. Zwei ihrer Hauptrivalinnen in der Gunst des Kaisers wurden auf ihren Befehl hingerichtet. Sie ließ ihnen Füße und Hände abhacken und ihre verstümmelten Körper in Behälter mit Spiritus stecken, wo sie eines qualvollen Todes starben. Nach dem Tod ihres Mannes regierte Kaserin Wu das Reich mit Hilfe zweier Söhne, kleidete sich in die Gewänder des Souveräns und ließ die Ahnentempel der Tang zerstören.

Im Jahre 690 n.Chr., nachdem die Kaiserin Wu gnadenlos jegliche Opposition im Keim erstickt hatte, tat sie für eine Frau etwas Unerhörtes - sie regierte China unter ihrem Namen. Fünfzehn Jahre lang herrschte sie geschickt, bis sie durch einen Handstreich entmachtet wurde. Ihr Sohn und Thronfolger wurde von seiner eigenen Frau gestürzt, die dem Beispiel der Kaiserin Wu, China unter eigenem Namen zu regieren, gefolgt wäre, hätte Minguang, Kaiserin Wus Enkel, nicht 712 n.Chr. den Thron bestiegen und die Palastrevolution beendet.

Minghuang begann mit großem Erfolg, endete jedoch tragisch. Er trat seine Herrschaft als junger energischer Mann an, der über Bildung und politische Klugheit verfügte, und übernahm ein scheinbar stabiles Reich. Doch böse Anzeichen waren nicht zu übersehen. Die Bevölkerungsdichte nahm immer mehr zu, desgleichen das Staatsvermögen. Aber die Ausgaben für öffentliche Arbeiten, Verteidigung und die komplexe Bürokratie sowie die kaiserliche Hofhaltung waren ebenfalls gestiegen. Die Bauern waren verpflichtet, auf eigene Kosten Militärdienst zu leisten, und desertierten in großen Scharen. So mußten die Tang auf kostspielige Söldnertruppen zurückgreifen. Eine kriegerische Niederlage folgte der anderen, bis die chinesischen Armeen 751 n.Chr. im Südwesten und - was gravierender war - im fernen Westen, hinter den Gebirgszügen Zentralasiens, vernichtend geschlagen wurden. Lange Zeit konnten die Araber in Schach gehalten werden, doch dann gewannen sie eine entscheidende Schlacht, worin sich das Ende chinesischer Herrschaft über dieses wichtige Gebiet bereits ankündigte.

Entmutigt durch die Niederlagen an den Grenzen und durch den ständigen Zank zwischen der alten Aristokratie und der neuen Bürokratie, suchte der Kaiser Zuflucht im taoistischen Mystizismus und in den luxuriösen Vergnügungen seines Hofes. Sein Harem soll angeblich vierzigtausend Konkubinen beherbergt haben. Hunderten seiner Frauen war beigebracht worden, im Birnengarten des Kaiserlichen Parks auf Musikinstrumenten zu spielen. Viele Stunden verbrachte der Kaiser in Gesellschaft von Yangguifei, einer schönen Konkubine. Er hatte sie seinem Sohn weggenommen, dem er ein anderes Mädchen als Ersatz überließ. Auch verging viel Zeit damit, Hoffeste zu planen, für die er bei den Hofdichtern passende Gedichte bestellte.

Mit der Zeit wurde der Kaiser in seiner Liebe zu der bezaubernden Yangguifei immer hilfloser und konnte ihr keinen Wunsch mehr abschlagen. Ihre Lieblingsfrüchte zum Beispiel waren die Litschi-Pflaumen, und um immer frischen Nachschub zu haben, galoppierten ständig Reiter zwischen Kanton und dem 2400 Kilometer entfernten Changan hin und her. Der Kaiser adelte ihren Vater und ihre drei Schwestern und ernannte ihren Bruder zu einem wichtigen Minister am Hof. Aber Minghuang protegierte nicht nur Yangguifeis Verwandte, sondern auch ihre Freunde. Zu diesen zählte ein rauher, flegelhafter junger General, An Lushan, der angeblich Yangguifeis Liebhaber war.

An Lushan haßte Yangguifeis Bruder und beneidete ihn um seine Macht. Außerdem verabscheute er den trägen alternden Kaiser und beschloß, einen Aufstand anzuzetteln, um die beiden zu stürzen. Als Befehlshaber über mehr als 150000 Soldaten an der nordöstlichen Grenze war er dazu sehr wohl in der Lage. Der aufständische General besiegte die Truppen, die gegen ihn zu Felde zogen, besetzte Luoyang und marschierte nach Changan. Dem Kaiser wurde geraten, nach Sichuan zu fliehen, wohin er samt Gefolge, ohne Proviant, aufbrach.

Zwei Tage später erhoben sich bei einem Ort namens Mawei die hungrigen, erschöpften und rebellischen Soldaten gegen ihre Herren. Sie hieben Yangguifeis Bruder in Stücke und forderten auch die Hinrichtung Yangguifeis. Daraufhin gab der Kaiser, wenn auch entsetzt, den Befehl, seine geliebte Konkubine zu töten. Einigen Berichten zufolge hat sich Yangguifei selbst erhängt, andere behaupten, sie sei in einen nahegelegenen buddhistischen Tempel geschleppt und dort erwürgt worden.

Untröstlich verbrachte der Kaiser den Rest seiner Tage damit, "sein Gesicht mit einem Quell von Tränen zu benetzen." Er dankte zugunsten seines Sohnes ab, der, während An Lushans Truppen Changan plünderten, seine Truppen sammelte und die Tang-Dynastie bis 907 retten konnte. Doch die großen Tage der Tang waren endgültig vorüber. Die letzten Tang-Kaiser waren meist Wüstlinge und Verschwender, die von ihren Frauen und den Palasteunuchen beherrscht wurden. Ein weiterer Zyklus der Geschichte des kaiserlichen Chinas war abgeschlossen.

"Die Kaiser von China", CV-Verlag, 1982