Sun Yatsen
Sun Yat-sen (in China nur unter den Namen Sun Yixian oder Sun Zhongshan bekannt) wurde 1866 geboren und erhielt seine Ausbildung überwiegend in Hawaii und Hongkong. 1892 beendete er sein Medizinstudium in Hongkong und ließ sich dort als Arzt nieder. Zwei Jahre später wurde er erstmals politisch aktiv und gründete in Hawaii die "Gesellschaft zur Wiederbelebung Chinas". Eine Chance, in China Veränderungen herbeizuführen, sah er, nachdem China im chinesisch-japanischen Krieg (1894/95) eine demütigende Niederlage erlitten hatte. Er verließ Hawaii wieder, um von Hongkong aus einen Aufstand in Guangzhou vorzubereiten, der jedoch verraten wurde. Auf Ersuchen der kaiserlichen Regierung mußte Sun Hongkong wieder verlassen und begann nun, zwischen Japan, Südostasien, Hawaii, den USA und Europa herumzureisen, um Mitglieder für seine Gesellschaft zu werben.
Erste inernationale Beachtung fand Sun Yat-sen, nachdem ihn Angehörige der chinesischen Botschaft in Großbritannien entführt hatten, um ihn in China hinrichten zu lassen. Sun gelang jedoch die Flucht, und nach mehreren Jahren der Untergrundtätigkeit schloß er seine Gesellschaft mit einer anderen radikalen Vereinigung zum Revolutionsbund (Tongmenhui) zusammen. Das Programm wurde in den berühmten Sanminzhuyi (Drei Grundlehren vom Volk), die Sun Yat-sen ausgearbeitet hatte, festgelegt.
Wegen der wachsenden Radikalisierung und der stetigen Verbreitung der Ideen durch geheime Zweigstellen in China wurde er zu einem der meistgesuchten Männer Chinas und in vielen Ländern Asiens zur unerwünschten Person erklärt. Über die vielen geheimen Untergruppen hatte er ebefalls keine Kontrolle mehr, und so kam es, daß Sun Yat-sen beim Aufstand von Wuchang vom 10. Oktober 1911, der schließlich unmittelbar zum Sturz der kaiserlichen Regierung führte, überhaupt nicht in China weilte, sondern in den USA, wo er aus der Zeitung erfuhr, daß das Kaiserreich gestürzt worden war und er Präsident einer neuen Regierung werden sollte.
Suns revolutionäres Leben war damit keineswegs beendet. Um des inneren Friedens willen dankte er schon kurz nach seiner Ernennung zum vorläufigen Präsidenten der Republik zugunsten des ehemaligen kaiserlichen Oberbefehlshabers Yuan Shikai ab und gründete im Gegenzug die Guomindang, die Yuan Shikai sofort auszuschalten versuchte. Sun mußte erneut ins Exil gehen, wo er 1914 in Tokio die 26 Jahre jüngere Soong Ching Ling heiratete.
Ein Jahr später versuchte Yuan Shikai, sich zum Kaiser einer neuen Dynastie auszurufen, was allerdings scheiterte. Yuan starb 1916. Sun wurde nun Führer einer Militärregierung in Guangzhou, während derRest des Landes von verschiedenen Militärführern (Warlords) beherrscht wurde. 1918 entzogen ihm die Militärs allerdings die Unterstützung, und Sun ging nach Shanghai in die französische Konzession, wo er seine wichtigsten politischen Werke schrieb.
Im Februar 1923 kehrte er erneut nach Guangzhou zurück, wo er sich wieder an die Spitze einer Militärregierung stellte. Mit Hilfe des russischen Beraters Borodin reorganisierte er die Guomindang und gründete die Whampoa-Militärakademie, deren Leitung er Chiang Kai-shek übertrug. Sun konnte so seine Macht mehr und mehr konsolidieren, aber die angestrebte Einigung Chinas, die mit dem Nordfeldzug Chiang Kai-sheks im Jahr 1928 zumindest vorübergehend wieder erzielt werden konnte, erlebte Sun Yat-sen nicht mehr. Er starb am 12. März 1925.
"China" Dumont Richtig Reisen 1998