St. Pauls Cathedral

St.Pauls Cathedral

Als die Fundamente für die heutige Kathedrale gelegt wurden, machte der Architekt Sir Christopher Wren eine interessante Entdeckung. Er schrieb: "Wir fanden hier Unmengen von Urnen, Gefäßen und Tonscherben verschiedenster Art und Größe."

Weiters fand er "Gräber unterschiedlichen Alters und Aussehens, oder übereinanderliegende Erdschichten - vor allem an der Nordseite von St. Paul - die offensichtlich sehr alt waren und aus der Zeit der Briten und Römer waren."

Für Mellitus, Bischof der Ostsachsen wurde 604 n.Ch. eine erste, hölzerne, dem Apostel Paulus geweihte Kathedrale errichtet. Mellitus gehörte zur zweiten Gruppe von Missionaren, die von Gregor dem Großen nach England gesandt wurde. Ethelbert, König von Kent gründete die Kathedrale und schenkte ihr den Besitz in Tillingham, Essex, der bis heute dem Dekan und dem Kapitel gehört.

Die sächsische Kirche wurde durch einen Brand vernichtet und etliche Mahle wiederaufgebaut. Nach der letzten Katastrophe, 1087, begannen die Normannen den Bau einer großen massiven Steinkirche. Die alte St. Pauls Kathedrale. Ihre Größe und Ausstattung spiegelte die Bedeutung - die sie der Stadt London in ihrem neueroberten Reich  beimaßen - wieder.

Die Kathedrale, ein großartiger gotischer Bau, lag im Herzen des alltäglichen Londoner Lebens. Paul's Cross, das Kreuz vor der Kathedrale, wurde zu einem wichtigen Predigtort. Politische Debatten, öffentliche Versammlungen, ja sogar Prozesse wurden hier abgehalten. die Kathedralkirche war die drittgrößte im alten Europa. Sie rühmte sich des höchsten Kirchturmes, der je gebaut wurde, und genau dieser Stolz leistete dem Verfall der Kirche Vorschub, als zweimal der Blitz in dieselbe Stelle einschlug.

Einige gewagte Versuche wurden unternommen, um den Bau zu retten, aber das große Feuer 1666 machte eine weitere Renovierung undenkbar.

Der Brand von 1666

Der Meister, der 1669 ausgewählt wurde, um einen Neubau von St. Paul zu errichten, war Christopher Wren. Er war nicht nur Architekt, sondern auch Altphilologe, Wissenschaftler, Anatom, Astronom, Mathematiker und Techniker. Als Sohn eines Dekans und Neffe eines Bischof war er auch ein tiefreligiöser und schlichter Mensch.

Sir Christopher Wren

Während in London 1665 die Pest herrschte, war Wren in Frankreich, um dort die neueste Architektur - allem voran den Louvre in Paris - kennenzulernen. Das große Feuer im folgenden Jahr brachte Wren als Vorreiter der Architektur in die Heimat zurück. Als einer von dreien wurde er von König Charles II beauftragt, die Ausmaße des Schadens zu schätzen und mitzuberaten, wie die Stadt wieder aufgebaut werden könnte. Um den Neubau von 52 Kirchen zu bezahlen, wurde eine Kohlensteuer eingeführt, die später auch die Finanzierung von St. Paul absicherte.

Wren bestand darauf, selbst das Legen der Fundamente zu überwachen. Als er am Boden die Position der Kuppel markierte und einen Stein orderte, um den Ort zu fixieren, brachte ihm ein Arbeiter einen flachen Stein vom nächsten Schutthaufen. Wren drehte die Platte um und sah, daß es sich um das Fragment eines Grabsteines aus der alten Kathedrale handelte. Nur ein einziges Wort war in großen Lettern eingraviert. "Resurgam" - Ich werde auferstehen.

Während der 35-jährigen Bauzeit überwachte Wren selbst die Arbeiten, stellte die besten Handwerker ein und unterzeichnete selbst die Auszahlung. Samstag für Samstag besichtigte er den Bauplatz. Wahrscheinlich um Störenfriede auszuschalten, bestand er darauf, daß der Bau nicht öffentlich ausgeführt wurde, und ließ ganze Teile der Kathedrale einhüllen.

Im Frühjahr 1697 wurde das Parlament von jenen, die glaubten, der Bau schreite zu langsam voran, angestachelt und Wrens jährliches Honorar um die Hälfte gekürzt. Das war 1710.

Wren starb am 25. Februar 1723, 91 Jahre alt, "verbraucht durch Gottes Barmherzigkeit ein langes Leben im königlichen Dienst und es zu etwas in der Welt gebracht zu haben" - wie er selbst schrieb. Er wurde in der Krypta von St. Paul beigesetzt, unter einer schlichten aber würdigen Grabplatte.