Die Song-Zeit
Wie schon in anderen Zeiten, als das chinesische Reich kurz vor dem Zerfall stand, gelangte ein starker Mann an die Macht. Zhao Kuangyin war ein junger General, der viele Kriegsherren aus der Provinz besiegt hatte und die Aufmerksamkeit des letzten sterbenden Tang Kaisers nicht nur als erfolgreicher Kriegsmann, sondern auch als Gelehrter auf sich gelenkt hatte.
Der Kaiser gab im Frühjahr 960 Zhao Kuangyin den Oberbefehl über eine große Expeditionstruppe, die gegen die aufrührerischen Kitan-Tataren aus der Inneren Mongolei gesandt wurde. An einem frühen Märzabend wurde Zhao Kuangyin, der Kommandant, der sich in einem Gasthaus schon zur Ruhe begeben hatte, durch lautes Geschrei und Waffengeklirr geweckt. Er sprang auf und öffnete das Fenster. Der Hof wimmelte von Offizieren und einfachen Soldaten, die ihre Schwerter schwangen und seinen Namen riefen. Als sie ihn sahen, riefen einige ranghöhere Offiziere: "Kommandant! Seid unser Kaiser! Der Kaiser von China!" Einer von ihnen kam ins Gasthaus und legte ein Gewand in kaiserlichem Gelb um die Schultern des Generals, worauf alle Soldaten vor ihm niederknieten und schrien: "Lang lebe der Kaiser!" Kurz darauf ritten alle nach Kaifeng zurück, wo der Kronprinz, der nach seines Vaters Tod den Thron bestiegen hatte, abdankte. Der General nahm den kaiserlichen Titel an und gründete als Kaiser Taizu die Song-Dynastie, die über drei Jahrhunderte regierte.
Taizu war ein bescheidener Mann, rücksichtsvoll gegen seine Untertanen und barmherzig im Umgang mit Rivalen und Feinden. Aber er war auch ehrgeizig und gerissen. Er wußte nur zu gut, wie er an die Macht gekommen war, und wollte sie nicht auf die gleiche Art verlieren. So lud er alle wichtigen Militärkommandanten zu einem Bankett in den Kaiserpalast. Nachdem sie aufs vortrefflichste gespeist und getrunken hatten, hielt er eine Ansprache: " Wenn ihr nicht gewesen wäret, meine Generäle, so wäre ich niemals Kaiser geworden. Ich verbringe schlaflose Nächte, weil ich mir große Sorgen über eure Macht mache. Daher schlage ich euch jetzt vor, eure militärische Karriere aufzugeben. Ich werde euch einträgliche Positionen verschaffen, die euch zu Geld und Land verhelften, das ihr euren Kindern vererben könnt. Diejenigen von euch, die bereit sind, meinen Vorschlag anzunehmen, werde ich als Freunde betrachten, und unsere Familien werden sich durch Eheschließung verbinden."
Sei es, daß der Vorschlag des Kaisers zu verlockend war, sei es aus Angst, ihm seinen Wunsch abzuschlagen - alle Generäle traten am nächsten Tag zurück. So schaffte es Taizu, die größte Gefahr für seine Dynastie auszuschalten, die Macht der lokalen Militärkommandanten zu zügeln und die Armee einer zentralen Zivilkontrolle zu unterstellen. Von da an ernannte er nur noch Zivilbeamte zu Gouverneuren, die ihm persönlich Rechenschaft schuldig waren. Als seine Repräsentanten lebten sie in den verschiedenen Provinzen, setzten die Beschlüsse des Kaisers in Kraft und überwachten die Steuereinnahmen. Außerdem übertrug der Kaiser seinen hohen Offizieren ständig neue Kommandos, um zu verhindern, daß sie zuviel Einfluß gewannen. Auch die Militäreinheiten wurden regelmäßig von einer Garnison in die nächste verlegt, damit sich die Soldaten als Männer des Kaisers fühlten. Auf den Rat seiner energischen Mutter bestimmte Taizu schließlich, daß der Kaisertitel nach seinem Tod in erster Linie an seine Brüder und nicht an seine Söhne übergehen sollte, damit zum Vorteil des Reiches erfahrene Männer regierten.
Auf diese Weise erlangten die Song schon bald unumschränkte Autorität, und das Reich wurde geeint. Der Kaiserhof konnte sich erneut den Freuden eines kultivierten Lebens widmen. Und kein Kaiser war - in kultureller Hinsicht - lebhafter daran interessiert als Huizong, der "Kaiserliche Träumer", der 1101 den Thron bestieg, mehr als ein Jahrhundert nach Taizus Tod. Er war ein hochbegabter Dichter, einer der maßgebenden Maler seiner Zeit, Antiquar, Archäologe sowie leidenschaftlicher Sammler mit einer Vorliebe für seltene Stücke, insbesondere für Porzellan.
Huizong verbrachte so viele Stunden damit, seine Sammlung zu betrachten, Gedichte zu schreiben, zu malen, den Bau von Tempeln zu beaufsichtigen, religiösen Zeremonien beizuwohnen und mit einer berühmten Kurtisane die Liebe zu pflegen, daß er kaum Zeit und noch weniger Lust fand, sich um Staatsangelegenheiten zu kümmern. Dabei wurden die politischen Probleme immer dringlicher. Das Song-Imperium begann in dieser Zeit zu schrumpfen, weil sich seine Feinde an den Grenzen ständig Übergriffe leisteten. Ein früherer Kaiser namens Taizong war gezwungen gewesen, Bindungen der Kitan-Tataren zu akzeptieren und ihnen jährlich hohe Tributgelder zu zahlen. Und 1125 n.Chr. wurde Huizong in einen kostspieligen Krieg mit den wilden nomadisierenden Nüchen-Tataren verwickelt, den früheren Vasallen der Kitan, die zu den Herren von Nordostasien geworden waren.
Auf diesem Ausschnitt eines Rollbildes von Huizong bügelt eine Frau ein Stück Seide. Obwohl der Kaiser diese Szene von dem Gemälde eines anderen Malers kopierte, hat Huizongs meisterhafte Komposition sowie Pinselführung und Farbgebung dieser Arbeit zu eigenem Ruhm verholfen.
1126 eroberten die kriegerischen Nüchen die Song-Hauptstadt Kaifeng im Tal des Gelben Flusses und nahmen dreitausend Männer gefangen, darunter auch den Kaiser. Man zwang ihn, vor dem Nüchen-Anführer in einem blauen Gewand zu erscheinen, das üblicherweise von Dienstboten getragen wurde. Seine Bezwinger nannten ihn ironisch "Herrscher der Verwirrten Tugenden" und schickten ihn hinter die Große Mauer, wo er starb. Dann zogen die Nüchen weiter nach Süden und standen kurz vor der Einnahme der Song-Stadt Hangzhou. In seiner Not schloß Huizongs Nachfolger, der Kaiser Gaozong, mit ihnen einen Pakt, wonach den Nüchen die Kontrolle über den Norden übertragen werden sollte, vorausgesetzt daß sie den Süden mit seinen Reisfeldern in Ruhe ließen.
Trotz dieser Unruhen begann für China ein neues goldenes Zeitalter. Die Leistungen der Song in Kunst und Wissenschaft sowie der Errichtung sozialer Institutionen überragten selbst jene der Tang. Überall im Reich wuchsen neue Städte aus dem Boden: im Norden nicht weniger als sechsunddreißig Provinzstädte, mehrere hundert kleinere Orte und Verwaltungszentren rings um die Hauptstadt Kaifeng. Diese Städte wurden alle nach dem gleichen Muster errichtet: Mauern mit drei Toren, hohe Türme und häufig auch Burggräben. Die Häuser der ranghöchsten Offiziere befanden sich in der Mitte, die Tempel am Südende, die Märkte im Norden. Diese strenge Aufteilung war in der schönen Stadt Hangzhou etwas aufgelockert, die der Kaiser Gaozong im Jahre 1135 als südliche Song-Kapitale errichten ließ. Das tägliche Leben von Hangzhou war so vielseitig und lebhaft, daß jeder Besucher davon entzückt war.
In ihrer Blütezeit erstreckte sich die Stadt über dreizehn Quadratkilometer und war von zehn Meter hohen, mit Zinnen versehenen Mauern aus weißgekalkter Erde und Steinen umgeben. Eine breite gerade Straße, bekannt unter dem Namen "Kaiserlicher Weg", zog von Norden nach Süden. Die Hauptkanäle verliefen parallel dazu und andere Straßen kreuzten von Osten nach Westen. Alle Hauptstraßen waren mit Steinen und Ziegeln gepflastert und in der Mitte sorgsam mit Kies aufgeschüttet. Auch wurden diese Straßen regelmäßig gekehrt. Sie waren sogar trocken, da das Regenwasser durch Rohrleitungen in die Kanäle abfließen konnte. Vom frühen Morgen, wenn die Glocken der buddhistischen und taoistischen Klöster läuteten und Mönche die Straßen entlangschritten und gegen Bandeisen schlugen, um den Tagesanbruch anzukündigen, bis zur Morgendämmerung des nächsten Tages boten diese Straßen und Kanäle den Anblick emsiger Geschäftigkeit. Boote, die mit Reis und Wein, mit Feuerholz und Säcken voller Salz und frischem Gemüse beladen waren, fuhren in nördlicher Richtung quer durch die Stadt zum Fluß, wo unzählige Barken, Fischerboote und Dschunken mit Segeln aus gefalteten Matten inmitten grüner Berge vor Anker lagen.
In den Straßen wimmelte es von Kulis, die alle möglichen Waren an langen Schulterstangen trugen, aber auch Sänften mit Baldachinen und Falttüren. Darin saßen Damen in Gewändern aus Goldbrokat und Seide oder in wattierte, mit Pelz besetzte Mäntel gehüllt, wenn es kalt war. In dem sorgsam frisierten, glänzend schwarzen Haar der Frauen steckten Ziernadeln und Kämme, ihre Gesichter waren intensiv rosa gepudert und die Fingernägel leuchtend rot lackiert. Andere fuhren in Kutschen, die mit Vorhängen und Kissen ausgestattet waren, und die Männer ritten hoch zu Roß nebenher. Trotz dieser Annehmlichkeiten wurden die Frauen im allgemeinen noch stärker unterdrückt als zur Zeit der Song. Winzige mißgestaltete Füße - auch "Lotusblüten" genannt -, die ihre Form einer bestimmten Methode des Einschnürens verdankten, galten als Zeichen von Luxus. Nur ein reicher Mann konnte es sich schließlich leisten, gehbehinderte Frauen und Töchter zu unterhalten. Folglich wurden jahrhundertelang die Fußknochen kleiner Mädchen schmerzhaft gebrochen und die Füße eng mit Bandagen umwickelt.
Zu beiden Seiten der überfüllten Straßen erhoben sich Häuser aus Holz oder Bambus, teilweise auch aus Ziegeln, und manche davon waren bis zu fünf Stockwerken hoch. Sie waren alle "gut gebaut und sorgfältig ausgearbeitet", wie ein bewundernder Besucher schrieb. "Die Freude der Chinesen am Dekor, an Malereien und an Architektur führt dazu, daß immense Summen ausgegeben werden, die Euch in Erstaunen setzen würden." Die anspruchsloseren Häuser waren strohgedeckt, doch die der Wohlhabenderen trugen geschwungene Dächer aus gelb oder grün glasierten Ziegeln. Die sichtbaren Balken waren geschnitzt und bemalt und häufig mit Tieren oder Drachen aus Terrakotta dekoriert. Die Reichsten lebten in wundervollen Gebäuden, die um mehrere Höfe und Gärten gruppiert waren, wo seltene Blumen zwischen schön geäderten, polierten Steinen wuchsen.
Der Palast des Kaisers war eine einzige Pracht. Seine Pavillons trugen goldene Verzierungen, und die Wände waren mit wundervollen Darstellungen der Triumphe seiner Vorfahren versehen. In den ausgedehnten Gartenanlagen gab es künstliche Hügel mit Nadelbäumen und Bambus, Wasserfälle ergossen sich in Seen, wo Lotus und Wasserlilien ihre Blätter auf der glitzernden Oberfläche ausbreiten. In Gehegen hausten alle mögliche Tiere, und buntgefiederte Vögel flogen von Baum zu Baum. In den Höfen wuchsen Orchideen, und in Urnen waren Jasmin und Zimtbäume gepflanzt, deren süßer Duft durch die Fenster der kaiserlichen Gemächer strömte. Die Möblierung dieser Räume war schlicht, aber dekorativ. Es gab kleine Tische und Sessel sowie Betten, die von bemalten Wandschirmen umstellt und mit Seide bedeckt waren.
Die Häuser der Reichen besaßen alle Badezimmer, doch auch die einfachen Leute gelangten in den Genuß des Badens, denn es gab in jedem Viertel von Hangzhou öffentliche Badehäuser. Man konnte auch Teehäuser aufsuchen, wo Tee und Wein in kleinen Porzellantassen serviert wurden und wo sich reiche Händler und Beamte bei Musik ergötzen. In vielen dieser Etablissements konnten sich die Gäste in den oberen Räumen von jungen Mädchen vorsingen lassen. Es gab Lustgärten, in denen Theaterstücke aufgeführt wurden, bunt bemalte Boote für Ausflüge auf dem See und in den Bogengängen der Tavernen hübsche Prostituierte bederlei Geschlechts.
Eine weitere Lustbarkeit für die Reichen war das Essen, zubereitet und serviert mit einer Raffinesse, die zum Zeichen chinesischer Kultur geworden ist. Die häufigsten Gerichte waren Reis, Schweinefleisch, Gemüse und gesalzener Fisch. Aber auch Kaninchen und Gänse, Wildbret und Lämmer, Wachteln und Enten, Krabben und Rebhühner waren in Hülle und Fülle auf den Märkten zu finden. In den zahlreichen Restaurants wurden alle Arten von Speisen angeboten, von Seidenraupenpastete bis zur Schwalbennestersuppe. Viele Gerichte, darunter auch Fisch, wurden geeist aufgetragen, während der Wein meistens warm war. Betrunkene waren keine Seltenheit, und die Kanäle wurden vorsorglich mit Geländern abgesichert, damit keine Zecher hineinfielen.
Natürlich konnte verhältnismäßig wenige das Leben genießen. Für die Armen war das Dasein hart und jeder Arbeitstag lang. Für geschickte Fachleute gab es in den diversen Handwerkszweigen genug zu tun, doch für die ungelernten Bauern, die nun in Scharen in die Städte strömten, war es schwer, einen Arbeitsplatz zu finden. Einige konnten sich als Straßenkehrer, Wasserträger oder Straßenarbeiter verdingen, doch viele wurden Bettler oder Diebe.
Obwohl überall Armut und Elend herrschte, war nicht zu übersehen, daß die kulturelle Entwicklung jeder vergleichbaren im Westen weit voraus war. In jeder großen chinesischen Stadt der Song-Zeit gab es Zeichen eines wissenschaftlichen und technologischen Fortschritts. In Kaifeng konnte man z.B. eine große astronomische Uhr, ein kunstvolles und kompliziertes Werk, bewundern. Anderswo wurde das Getreide von Wassermühlen gemahlen, die über ein ausgeklügeltes Zahnradsystem verfügten, und in einigen Werkstätten wurde Wasserkraft eingesetzt, um Hanf zu spinnen. An den Flüssen waren Schleusen und Brücken, die vom Einfallsreichtum chinesischer Ingenieure zeugten, und auf den Meeren kreuzten Mehrmastschiffe und mit Tretmühlen betriebene Schaufelradschiffe. Auch der Magnetkompaß wurde bereits im 10.Jahrhundert entwickelt. Das Rechenbrett, Abacus genannt, war in der späten Song-Zeit weitverbreitet und blieb das wichtigste Recheninstrument ostasiatischer Händler. Auf den Gebieten der Medizin und Zoologie, der Mathematik und Algebra, der Geschichtswissenschaft und der Geographie wurden große Fortschritte erzielt, und die chinesische Landwirtschaft war die ertragreichste der Welt. Vor allem die Verlage florierten, nachdem im 11.Jahrhundert die beweglichen Lettern erfunden worden waren.
Gleichzeitig nahmen die schönen Künste einen Aufschwung. Die Maler schufehn jene wundervollen Landschaften, zarte Vögel und Blumen - Werke, die zu den herrlichsten Schätzen Ostasiens zählen. Kaiser Huizong war nicht nur ein Förderer, sondern selbst ein hochtalentierter Künstler. Er richtete ein kaiserliches Institut für Kalligraphie und Malerei ein und beaufsichtigte die Zusammenstellung eines Katalogs mit 6396 Gemälden von 231 Künstlern. Begabung für Malerei, meisterhafte Kalligraphie und Gewandtheit im Verfassen von Gedichten waren wichtig für das Bestehen der Beamtenprüfungen.
Kaiser Shenzongs Minister Wang Anshi, "der stierköpfige Minister", ein Mann, der weder darauf achtete, was er aß, noch Wert auf seine Kleidung legte und eine Serie wissenschaftlicher, pädagogischer und militärischer Reformen durchsetzte, war gleichzeitig Dichter und hochgefeierter Prosaschriftsteller. Ein anderer hoher Beamter namens Su Dongpo brachte es zu außergewöhnlichem Ruhm als Maler und Kalligraph, als Experimentator bei der Weinherstellung und in der Alchimie, als Yogameister, als faszinierender Gesprächspartner und als einer der größten Dichter und Essayisten Chinas. Als er Gouverneur von Hangzhou war, erfuhr er von einem Fächerhändler, der wegen Schulden im Gefängnis saß. Der Händler erklärte auf die Frage, warum der diese Schulden habe, daß kein Mensch Fächer kaufen wolle. Daraufhin befahl Su Dongpo dem Mann, ihm eine Auswahl seiner Fächer zu bringen. Er beschäftigte sich ein, zwei Stunden damit, sie mit Schriftzeichen und wunderhübschen Bildern von kahlen winterlichen Bäumen und sommerlichen Bambushainen zu dekorieren. Als er damit fertig war, überreichte er dem Händler die Fächer mit den Worten: "Geh und bezahle deine Schulden."
Jedoch erleichterten weder kultivierte Gouverneure wie Su Dongpo noch die Kultur selbst das elende Los der armen Bauern. Im Sommer verbrachten sie den ganzen Tag auf den Feldern, im Winter mußten sie beim Städtebau helfen. Es galt, Tiere zu fütter, Seidenraupen zu züchten, Getreide zu worfeln, Stoffe zu weben, Häuser zu reparieren. Hier ein zeitgenössischer Bericht:
"Der Mann wird für die Saison eingestellt; normalerweise vom ersten Mond (Februar) bis zum neunten Mond (Oktober). Sein Lohn ist eine Ladung (ungefähr acht Scheffel) Getreide pro Monat. Sein Arbeitgeber versieht ihn kostenlos mit Kleidung: einem Frühjahrsgewand, Hemd und Hosen für den Sommer und einem Paar Lederschuhen. Dafür muß er von morgens bis abends ohne Unterbrechung arbeiten. Falls er erkrankt, wird die Bezahlung für den Tag, an dem er nicht arbeitet, vom Lohn abgezogen Verliert oder beschädigt er die landwirtschaftlichen Geräte, die ihm anvertraut sind, muß er sie ersetzen."
Gegen Ende des 13.Jahrhunderts wuchs die Unzufriedenheit der Bauern, gleichzeitig wurde das Reich von außen bedroht. Die Mongolenhorden des kaltblütigen, aber brillianten Anführers Dschingis Khan drangen über die Große Mauer ein und hatten bereits die Herrschaft über den größten Teil des nördlichen China errungen, als Dschingis Khan 1227 starb. Einige Jahre später zogen die Mongolen weiter gen Süden. Die Song-Armeen galten als die schlagkräftigsten der ganzen Welt. Schießpulver wurde nun auch für Waffen benutzt, und die Mongolen mußten gegen Sprengbomben und Granaten, Raketen, Flammenwerfer und giftigen Rauch kämpfen. Doch die Song-Soldaten waren den harten Nomaden aus den Steppen nicht gewachsen. 1279, kurz vor dem Beginn einer Seeschlacht im Südchinesischen Meer, starb der letzte überlebende Song-Prinz, und Dschingis Khan Enkel Kublai Khan wurde Kaiser von ganz China.
"Die Kaiser von China", CV-Verlag, 1982