Soho
Im Laufe der Jahrhunderte ist Soho zum Zentrum des unkonventionellen Lebensstils geworden, das war jedoch keineswegs immer so. Im Mittelalter war Soho fruchtbares Ackerland, das dem Convent of Abingdon und dem Hospital of Burton St. Lazar gehörte, bis Henry VIII. es konfiszierte: Er benötigte das Gebiet für die Anlage eines königlichen Parks am Palace of Whitehall. Hundert Jahre später nahmen die Republikaner auch dafür Rache, als sie Charles I. hier enthaupteten.
Die meinsten Fachleute sind sich darin einig, daß der Name "Soho" von einem alten Jagdruf herrührt. Er wurde von den Gefolgsleuten des Duke of Monmouth bei Sedgemoor benutzt, wo 1685 die letzte Schlacht auf englischem Boden stattfand. Der Duke of Monmouth, unehelicher Sohn von Charles II., bewohnte in Soho ein Haus.
Im späten 17. Jahrhundert ließen sich Hunderte von Hugenotten-Flüchtlingen in Soho nieder und verliehen der Gegend einen fremdländischen Charakter. Mitte des 19. Jahrhunderts war Soho der am dichtesten besiedelte Teil Londons, eine wilde und bunte Mischung von Theatern und Music Halls, Läden, Cafés und Restaurants. Der Dramatiker und Romancier John Galsworthy beschrieb das Soho des ausgehenden 19. Jahrhunderts als "unordentlich, voll von Griechen, Ismailiten, Katzen, Italienern, Tomaten, Restaurants, Orgeln, buntem Zeug, seltsamen Namen, Leuten, die aus den Fenstern auf die Straße herunterschauen....". Anfang des 20. Jahrhunderts stießen zu den Franzosen, Griechen und Italienern noch Deutsche, Russen und Polen und machten Soho zu einem wahrhaft kosmopolitischen Viertel. Die Atmosphäre war energiegeladen und durchsetzt mit einem Hauch von Knoblauch und Lasterhaftigkeit. In den 20er und 30er Jahren versammelten sich dort Verfechter der freien Liebe und der Anarchie und freuten sich angesichts einer Riesenportion Pasta über ihre Ablehnung der britischen Kultur: La vien rose in der Londoner Innenstadt.
Bis zum Ende der 50er Jahre hatte sich Soho zum Sündenbabel Londons entwickelt. Junge Männer durchstreiften in Zweier- oder Dreiergruppen das nächtliche Soho, unruhig, erregt, fasziniert und zugleich von den lockenden Straßenmädchen in helle Panik versetzt.
Chinatown
In dem von Coventry Street, Shaftesbury Avenue und Charing Cross Road begrenzten Dreieck findet man Londons Chinatown. Die Chinesen haben dort zwar nie offiziell eine Kolonie gebildet, aber die asiatische Unterwanderung der Bevölkerung erreichte vor etwa 25 Jahren solche Ausmaße, daß sogar der Wistminster City Council anerkennen mußte, daß für diesen Teil Sohos kein anderer Name in Frage kam: Am 29. Februar 1985 erhielt er offiziell den Namen Chinatown.
Man gelangt nach Chinatown, wenn man, aus Richtung Wandour Street kommend, in der Gerard Street die orientalische Schranke passiert. Augenblicklich steigt einem der Duft chinesischer Gewürze in die Nase - die Luft scheint geradezu glutamatgeschwängert. Nach wenigen Schritten geht man durch einen der knallbunten, aber dennoch eindrucksvollen Torbögen, die den Eintritt in diese andere Welt symbolisch hervorheben. Die Bögen sind in Gold und Rot dekoriert und kommen abends, wenn sie angestrahlt werden, am besten zur Geltung. Sie sind mit chinesischen Schriftzeichen geschmückt, die die Regierung Hongkongs für den Anlaß stiftete. Die beiden steinernen Löwen, die auf halber Höhe der Gerrard Street wachen, sind hingegen ein Geschenk der Volksrepublik China.
Chinatown ist zwar ein kleiner, aber geschäftiger Stadtteil, in dem sämtliche Straßen sowohl englisch wie chinesisch ausgeschildert sind und selbst die roten Telefonzellen neo-orientalische Dächer zieren. Die chinesischen Konditoren verkaufen Dampfkuchen, süße Teilchen, Teigtaschen mit Rindfleischcurry, Mondkuchen mit Nüssen, Kokos- und Erdnußröllchen. In den Geschenkartikelläden liegen auf den oberen Regalen chinesische Softporno-Magazine aus, und in den chinesischen Krimskramsläden kann man Dinge erstehen, die tatsächlich aussehen, wie das schlechteste und billigste Spielzeug der Welt.