Die Qing-Dynastie
Die Mandschu-Eroberer, die aus dem Tartarenland kamen, nahmen Peking im Juni 1644 ein und proklamierten die neue Qing-Dynastie. Wie andere Eindringlinge vor ihnen, waren sie bereit, traditionelle chinesische Denkweisen und Philosophien, einschließlich des Konfuzianismus, zu übernehmen, um ihre Herrschaft zu festigen. Andererseits aber wollten sie das chinesische Volk unterjochen und sich als Herrenrasse etablieren. Sie ordneten statt der landesüblichen, die Kleidung der Tartaren an, die seitlich geschlossen wurde und einen hohen steifen Kragen hatte. Die chinesischen Männer mußten sich den Kopf scheren, einen Zopf tragen und die Tataren als Elite anerkennen. Selbst wenn ein Mandarin denselben Rang wie sein Manschu-Kollege bekleidete und den gleichen orangenfarbenen Knopf an seinem Hut tragen durfte, war die gesellschaftliche Kluft zwischen den beiden unüberbrückbar.
Während der langen Regierungszeit des berühmten Mandschu-Kaisers Kangxi (1662 bis 1722) dehnte sich das Reich aus und kam zu einem Wohlstand, der diese Dynastie als die bedeutendste der Mandschu-Epoche kennzeichnet. Kangxi und seine unmittelbaren Nachfolger nahmen Turkestan und Ili ein, zwangen die Burmesen und Nepalesen unter ihre Oberhoheit, vertrieben die Gurkha aus Tibet und brachten sogar den Russen in der Nähe des Amur in Sibirien eine Niederlage bei. Das Reich erstreckte sich schließlich von den sibirischen Wäldern am Amur bis zu den tropischen Gebirgen im Süden. Dieses gewaltige Imperium war so reich und die kaiserliche Kasse so wohl gefüllt, daß mehrmals auf Steuereinnahmen verzichtet werden konnte. Die Bevölkerung wuchs rapide: Um 1700 gab es in China ungefähr 150 Millionen Einwohner, 1779 waren es schon 275 Millionen und 1794 sogar über 300 Millionen.
Zu dem letztgenannten Zeitpunkt saß Kangxis Enkel Qianlong auf dem Kaiserthron, das klassische Vorbild eines kultivierten Kaisers. Er war hochtalentiert und intelligent, ein Gelehrter und Dichter, doch auch ein ehrgeiziger und gnadenloser Kriegsherr. 1711 geboren, zeigte er schon als Kind eine außerordentliche Begabung, so daß Kangxi beschloß, diesen frühreifen Knaben eines Tages den Thron besteigen zu lassen. Dementsprechend erhielt das Kind eine strenge und gründliche Erziehung. Qianlong mußte sich von fünf Uhr in der Früh bis Sonnenuntergang seinen Studien widmen, sofern er nicht im Reiten und Bogenschießen unterrichtet wurde. Im Alter von vierundzwanzig Jahren wurde er zum Kaiser ernannt. Und Qianlong erfüllte die in ihn gesetzten Erwartungen. Er war zu einem großen, lebhaften Mann herangewachsen. Intelligent und hellwach, legte er schon damals in seinen täglichen Gewohnheiten eine Regelmäßigkeit an den Tag, wie er sie in den ganzen sechzig Jahren seiner Regierung beibehalten sollte.
Täglich stand er vor Sonnenaufgang auf. Nach seinem Bad ließ er sich - begleitet von Wachen, Standarten, Bannern, Prachtschirmen und Musikern - auf einem hohen Palankin (ostindische Sänfte) zu seiner privaten Pagode tragen, um Buddha zu huldigen. Danach begann er mit der Lektüre amtlicher Schriftstücke, die er um sieben Uhr für ein kurzes, einfaches Frühstück unterbrach. Dann folgte ein Spaziergang im Palastgarten mit einigen seiner Frauen und Eunuchen. Seine Lieblingsbegleiter waren anfangs seine erste Frau, Kaiserin Xiaoxian, die er mit sechzehn Jahren geheiratet hatte, seine zweite Frau Ula Nara, die sich um 1765 in ein Kloster zurückziehen mußte, und seine bezaubernde Konkubine Xiangfei, die Witwe eines Prinzen aus Zentralasien, die im Krieg gefangen genommen worden war. Es hieß, er habe diese Frau mehr als alle anderen geliebt, aber seine Mutter traute ihr nicht und befahl ihr während der Abwesenheit des Kaisers Selbstmord zu begehen.
Qianlong hatte mindestens hundert andere Konkubinen, um sich über den Verlust hinwegzutrösten, und acht Königinnen, die ihm siebzehn Söhne und zehn Töchter gebaren.
Nach dem Spaziergang konferierte Qianlong mit seinen Beratern und Sekretären, und um drei Uhr aß er zu Mittag. Wie das Frühstück war es ein einsames und schlichtes Mahl. Er nahm stets nur wenig von den vielen Speisen, die ihm serviert wurden, und trank niemals Alkohol. Den Nachmittag verbrachte er manchmal mit einem Theaterbesuch, oder er dichtete, unterhielt sich mit Gelehrten, las, malte oder übte sich in Kalligraphie. Selten ging er später als um sieben Uhr zu Bett, nachdem er eine Kleinigkeit zu Abend gegessen hatte. Während der ganzen Nacht hielt ein Eunuch bei ihm Wache, um auf Wunsch eine der Gattinnen oder Konkubinen zu ihm zu geleiten. Von Zeit zu Zeit wachte er auf, hatte eine plötzliche Eingebung, nahm Pinsel und Tusche und begann zu schreiben. Mindestens vierzigtausend Gedichte werden ihm zugeschrieben.
Die Literatur war keineswegs die einzige Kunst, die Qianlong liebte. Er förderte Kalligraphen, Maler, Architekten und Handwerker, die mit Jade, Elfenbein, Porzellan und Lack arbeiteten. Unsummen wurden für die Paläste in Peking und Mukden, für den Sommerpalast von Yuanming Yuan in Ruyiguan und für die wundervollen Parkanlagen eines anderen Sommerpalastes in Jehol, jenseits der Großen Mauer, ausgegeben. Dort, im "Paradies der zahllosen Bäume", hingen Weiden ihre Zweige in den lotusbedeckten See und die beschatteten Felsenbassins, in deren klarem Wasser schimmernde Fische schwammen. Und auf grasbewachsenen Hügeln gediehen prächtige Walnußbäume, Koriander, Birnen und Aprikosen. Qianlong ließ Gartenhäuser mit vergoldeten Türen und Dächern aus Porzellanziegeln errichten, reich verzierte Torbauten und Uhrentürme, Tempel und Pavillons, Pagoden und bemalte Brücken. Im Gegensatz zu vielen seiner weniger aufgeklärten Mandarine lehnte er die Kunst des Westens nicht ab. Er gab sogar jesuitischen Missionaren den Auftrag, für ihn Gebäude in italianisiertem Stil zu entwerfen, und bewunderte die Gemälde europäischer Künstler.
Wenig Interesse hatte Qianlong allerdings an westlichen Wissenschaften und Philosophien. Im Grunde wußte er nicht einmal genau, wo Europa lag, und die meisten seiner Beamten hatten noch weniger Ahnung davon. Dafür wußten sie aber, was chinesische Beamten immer schon wußten: daß China der Mittelpunkt der Welt war. Jenseits der Reichsgrenzen lagen die Länder der Barbaren, die vom Handel lebten, und je weniger das Himmlische Reich mit diesen "fremden Teufeln" zu tun hatte, desto besser. Ein Chinese empfand es als Verbrechen, einen Fremden seine Muttersprache beizubringen, und die Ausfuhr aller chinesischer Bücher war streng verboten. Abgesehen von einigen wenigen Missionaren und jesuitischen Architekten wurden keine Fremden in das Land gelassen.
Der einzige Kontakt der Chinesen zu den Ländern des Westens war der zwischen chinesischen Händlern und den wenigen europäischen und amerikanischen Handlungsreisenden, denen es gestattet war, ihre Geschäfte im fernen Süden des Reiches abzuwickeln, nämlich in den Außenbezirken der Hafenstadt Kanton und auf der küstennahen Insel Macao. Für die Ausländer, die ihre Geschäfte nur über eine Gruppe chinesischer Händler, die Cohong, tätigen konnten, waren die Handelsbedingungen alles andere als zufriedenstellend. Die Chinesen exportierten Tee, Seide, Rhabarber, Porzellan, Lackarbeiten und Baumwollgewebe aus Nanking (unter diesem Namen wurde der Stoff in Europa bekannt) und akzeptierten als Bezahlung nur Silber. Es war ein Grundsatz der Regierung, daß das chinesische Volk die minderwertigen Waren nicht benötigte, die von den Ausländern angeboten wurden.
Um diesen Schwierigkeiten beizukommen, baten die Handelsherren von Kanton die englische Regierung, sich für sie am Kaiserhof in Peking zu verwenden. Daraufhin traf im September 1793 unter der Leitung des versierten Diplomaten Lord Macartney eine Delegation aus London in Peking ein und brachte in fein ausgeschlagenen Kassetten eine Vielzahl kostbarer Geschenke mit: mehrere raffinierte technische Geräte, um den Erfindungsreichtum der Engländer darzutun, einen Empfehlungsbrief des Königs von England sowie Portraits des Königs und der Königin, angefertigt von Sir Joshua Reynolds. Der Überbringer dieser Geschenke wurde zu einem großen Pavillon im Kaiserlichen Park von Jehol geleitet, wo er dem Kaiser vorgestellt werden sollte. Die Ankunft Qianlongs wurde durch Musikinstrumente angekündigt, durch Lobgesänge auf seine Tugenden und Stärke - und nicht zuletzt durch das Rascheln der seidenen Gewänder, als sich die anwesenden Mandarine vor dem Kaiser zu Boden warfen. Nachdem der Sohn des Himmels die Stufen seines Thrones erklommen hatte, kniete Lord Macartney vor ihm nieder und übergab ihm in einer goldenen Schatulle, die mit Diamanten besetzt war, das Schreiben entgegen und reichte es seinem ersten Minister, der es ungelesen auf einem Kissen deponierte.
Bei dem "prächtigen Bankett", das dann folgte, war Macartney sehr beeindruckt von der Perfektion, mit der man die köstlichen Speisen auftrug, und bewunderte die "ruhige Würde und gesetzte Feierlichkeit von wahrhaft asiatischer Größe", mit der "jede Phase des Zermoniells durchgeführt" wurde. Die "Stille und der feierliche Ernst ließen an die Feier eines religiösen Mysteriums denken".
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Der Engländer war auch von der wohlwollenden Herablassung des Kaisers angetan, der der englischen Delegation mehrere Gerichte und Pokale mit warmem Reiswein servieren ließ. Der Kaiser bat den englischen Botschafter sogar zu sich, reichte ihm eigenhändig ein Weinglas und richtete ein paar höfliche Worte an ihn. Unter anderem erkundigte er sich, wie alt der König von England sei, und gab der Hoffnung Ausdruck, daß dieser das hohe Alter erreiche, in dem er selbst sich befand. Macartney hielt den Dreiundachtzigjährigen für einen "sehr feinen Gentleman".
Lord Macartneys Erwartungen stiegen, als ihm wenig später die außergewöhnliche Gunst zuteil wurde, durch den Kaiserlichen Park in Jehol geführt zu werden. Weitere Ehren wurden Macartney und seinem Gefolge erwiesen, als man sie zu den Feierlichkeiten anläßlich des Geburtstages des Herrschers einlud. Doch wann immer Macartney den Zweck seiner Reise zur Sprache bringen wollte, stieß er auf Ausflüchte oder vorgegebene Verständigungsschwierigkeiten. Und als der Kaiser von Jehol in seinem Sommerpalast in Yuanming-Yuan zurückging, wurde den Fremden unmißverständlich nahegelegt, doch endlich heimzureisen. Man bat sie, dem englischen König einen Brief zu überbringen, der bereits vor ihrer Ankunft geschrieben worden war, wie Macartney später herausfand. Dieses Schreiben informierte den König, daß die "einheimischen Produkte", die dem Kaiser als "Zeichen der schuldigen Hochachtung" überreicht worden seien, angenommen wurden. Solch raffinierte Dinge aber seien in China nie geschätzt worden, und man habe "keinen Bedarf" für Englands Produkte. Der Brief schloß folgendermaßen: "Du, König, sollst nur in Übereinstimmung mit unseren Wünschen handeln, indem Du Deine Loyalität zum Ausdruck bringst und ewigen Gehorsam schwörst."
Trotz dieser Abfuhr beschloß die englische Regierung, 1816 eine zweite Delegation nach China zu senden. 1799 war Qianlong gestorben. Neuer Kaiser war Jiaqing, der fünfte Sohn von Qianlong, den ihm eine Konkubine geboren hatte. Jiaqing war ein fähiger und außerordentlich fleißiger mann, aber auch starrköpfig, hinterlistig, kalt und habgierig. Nach seiner Thronbesteigung ließ er den unermeßlich reichen ersten Minister seines Vaters verhaften und foltern.
Dann eignete sich Jiaqing die große Schatzsammlung des Ministers an, die - bewacht von vierhundert Aufsehern - neuntausend massiv goldene Zepter und sechsundfünfzig prachtvolle Perlenketten enthielt sowie eine große Anzahl von Uhren aus Gold und Emaille, mit Edelsteinen intarsierte Lackmöbel und Riechfläschchen aus Karneol, Bernstein, Jade und Topas. Jiaqing registrierte den Bestand mit der gleichen Besessenheit fürs Detail, mit der er auf die trivialsten Dinge des Hofzeremoniells achtete. Dieses Hofzeremoniell lag ihm weit mehr am Herzen als die Verwaltung des Reiches. Das zeigte auch sein Verhalten, das er der zweiten englischen Delegation gegenüber an den Tag legte. Er schickte den neuen Botschafter einfach nach England zurück.
Aufgrund des gescheiterten Versuchs, auf diplomatischem Wege die unerträglichen Handelsbeschränkungen aufzuheben, plädierten die ausländischen Händlerin Kanton für Gewalt. Es kam zu dem furchtbaren Opiumkrieg, der seinen Namen dem Opium verdankt, das von den bengalischen Besitzungen der Ostindien-Kompanie nach China geschmuggelt wurde und den ausländischen und chinesischen Händlern hohen Profit einbrachte. Die kantonesischen Beamten ließen sich durch Unsummen bestechen und drückten beide Augen zu.
Im Jahr 1835 war die Zahl der Drogensüchtigen in China auf über zwei Millionen angewachsen. Der Vertrag von Nanking, der den ersten Opiumkrieg 1842 beendete, leitete eine Reihe gewaltsam erzwungener Demütigungen für China ein, die in der durch französische und englische Truppen vorgenommenen Plünderungen und Brandschatzungen des Palastes von Yuanming-Yuan gipfelten.
Ganze Wagenladungen von Schätzen, die größtenteils unter der Schirmherrschaft Qianlongs angefertigt worden waren, schleppten die Soldaten weg. Silberne Uhren und Tische aus Rosenholz, Kommoden aus Rotlack (in deren mit Bajonetten aufgebrochenen Schubladen sich Juwelen von unschätzbarem Wert fanden), Porzellanvasen, Jadefiguren, Tempelgötzen, Emaillewandschirme, Kristalleuchter, vergoldete Spiegel, bestickte Seidenroben und Fächer, mechanisches Spielzeug, Krakelee-Schalen, Bilder und Bücher wurden in Lastwagen gekippt oder zerbrochen im Park aufgehäuft. Viele Gegenstände wurden von den Soldaten mit Gewehrkolben zertrümmert oder als Zielscheibe benutzt. Zu den Beutestücken gehörten auch viele "sehr hübsche kleine Hunde" einer Rasse, die niemand außer der Kaiserfamilie halten durfte, wenn er sich nicht eines Kapitalverbrechens schuldig machen wollte. Eines von diesen Tieren, ein Pekinese mit dem passenden Namen "Looty" ("loot" = Kriegsbeute) wurde Queen Victoria überbracht.
Während das Britische Reich seiner Blütezeit entgegenging, waren die großen Tage Chinas für immer vorbei, auch wenn sich die hohen Beamten nach wie vor überheblich gaben.
Der boshafte, pedantische Kaiser Jiaqing hatte nicht das Format, den Schaden zu beheben. Ebensowenig gelang dies seinem Thronfolger, dem launenhaften, unschlüssigen Daoguang oder gar dessen zügellosem Sohn. Am wenigsten geeignet für den Drachenthron war der unglückliche, einsame Guangxu. Seiner Tante, der bemerkenswerten Kaiserinwitwe Cixi hündisch ergeben, regierte er in den Jahren des traurigen und endgültigen Niedergangs lustlos das Reich. Zu der staatlichen Mißwirtschaft kamen in vielen Gebieten verheerende Überschwemmungen hinzu, auf die Dürreperioden und Hungersnöte folgten. Immer mehr Aufständische schlossen sich zusammen, Geheimbünde wurden allerorts geschlossen, vor allem aber nahm die Bevölkerung des Landes (man nimmt an, daß sie in der Mitte des 19. Jahrhunderts über 350 Millionen Menschen zählte) viel rapider zu als die Erträge aus der Landwirtschaft. Die pseudochristlichen Taiping-Rebellen, die behaupteten, "den göttlichen Auftrag erhalten zu haben, die Mandschu auszurotten", verwüsteten weite Landstriche und töteten zwanzig Millionen Menschen, bevor sie schließlich bezwungen wurden. Der spätere Boxeraufstand - seine Anhänger praktizierten ein taoistisches Schattenboxen, das sie unempfindlich gegen die Waffen ihrer Feinde machen sollte - richtete sich weniger gegen die Mandschus als gegen die Fremden im Land und wurde daher von der intriganten Kaiserinwitwe unterstützt. Doch als die "Boxer" die ausländischen Gesandtschaften in Peking belagerten, intervenierte in China eine internationale Flotte mit Waffengewalt und schlug den Aufstand nieder.
Dies geschah im Jahr 1900. Wenige Jahre später schrieb ein junger Anführer der revolutionären "Vereinten Liga", den "Boxern" sei zwar vorrübergehend Unterstützung zuteil geworden, doch das chinesische Volk hätte nun erkannt, daß die Nöte ihres Landes in weit größerem Umfang durch den Kaiserlichen Hof und die Mandarine verschuldet worden seien denn durch die Europäer... "Wir sind in erster Linie gegen die Mandschu, weil diese widerrechtlich an die Macht gelangte Dynastie den nationalen Verfall verschuldet hat."
Der dies sagte, war Sun Yat-sen, ein zum Christentum übergetretener Bauer aus Kanton, der Arzt wurde, nachdem er die Missionsschule absolviert hatte. Im Oktober 1911 dann brach die nationale Revolution aus, auf die er hingearbeitet hatte. In den Provinzen wurden nacheinander die Mandschu-Beamten entmachtet, und am 1. Januar 1912 gelangte Sun Yat-sen an die Macht. Wieder einmal hatte ein Bauer die Kräfte mobilisiert, die eine Kaiserdynastie stürzte. Aber es gab keine Kaiser mehr. Der neue Führer Chinas ließ sich barhäuptig in einem euopäischen Gehrock photographieren. Er war vorrübergehend als Präsident der Republik von China gewählt worden. Der besondere Charakter und die Kontinuität chinesischer Kultur bleiben auch in den kommenden Jahren des Umbruchs erhalten. Der Wandel fand innerhalb des von der Tradition vorgegebenen Rahmens statt. Doch die Schätze der chinesischen Kaiser, die das Reich in Jahrhunderten hervorgebracht hatte, waren Schätze der Vergangenheit.
"Die Kaiser von China", CV-Verlag, 1982