Musik

Diese Musik kreiste noch drei Tage lang im Raum und klang mir im Ohr noch drei Monate später; dass nicht Speis und Trank verlockten." - Konfuzius

Musik diente im alten China ganz im konfuzianischen Sinn der Harmonisierung der Gesellschaft. Dank der das gesamte Gesellschaftsleben durchdringenden Zsammenhangsmagie konnte die ebenfalls alle Bereiche des Lebens beherrschende Zahl Fünf und mit ihr die Pentatonik zum Maßstab der Musik werden. Aus diesem Grund wird chinesische Musik vom westlich geschulten Ohr günstigenfalls als "gewöhnungsbedürftig", meist als "ohrenzerreißend" oder gar als spannungslos empfunden. Zu ihrem Ausdruck stand ein breit gefächertes Reportoire von über 300 Musikinstrumenten zur Verfügung, die sich in Streich-, Zupf-, Schlag- und Blasinstrumente unterscheiden lassen. Chinesische Musik unterlag natürlich keiner nach innen gekehrten, abgeschotteten Entwicklung und wurde vielfach von außen, ganz besonders etwa durch die berühmte Qiuci-Musik aus dem Raum des heutigen Kuqa an der Seidenstraße befruchtet, so daß die Strenge des Stils nicht immer durchgehalten wurde und auch für unsere Ohren durchaus schöne Stücke entstanden.

Im heutigen China findet man traditionelle Musikformen hauptsächlich noch auf dem Land, vereinzelt aber auch in den Städten. Dort tummeln sich die Interpreten vor belebten Tempeln, auf Märkten oder in Einkaufstraßen, wo sie meist das Quyi, eine Gesangskunst, die sich, oft begleitet von einer zweiseitigen Fidel (Junghu) oder einer chinesischen Klarinette (Suona), der Sprache und des Gesangs bedient, um Geschichten zu erzählen. So groß wie das Land, so vielfältig sind natürlich auch die Quyi-Stile, die jedoch überwiegend im Monolog oder Dialog vorgetragen werden.

Für junge Leute hauptsächlich in den Städten sind Rock- und Popmusik beliebte Westimporte, wobei chinesische Gruppen einen gewaltigen Popularitätssprung gemacht haben und den amerikanischen oder europäischen Gruppen bei weitem vorgezogen werden. Der Grund liegt hauptsächlich darin, daß chinesische Gruppen - auch die aus Hongkong und Taiwan - sehr viel stärker die eingängigen und gefühlvollen Elemente der Popmusik betonen und damit einen Boom unterstützen, der sich in Tausenden von Lokalen überall im Land artikuliert: Karaoke. Kaum ein Anlaß, bei dem man nicht auch Karaoke singt und seinen Gefühlen Ausdruck gibt. Karaoke-Darsteller in den dazugehörigen Videos gehören ebenso zu den Berühmtheiten wie die Sänger selbst.

Klassische europäische Musik und Opern finden ebenfalls ein breites Publikum. Zahlreiche hochklassige chinesische Musiker und Sänger bereichern heute die Ensembles in aller Welt. Nachdem allerdings den meisten Orchestern des Landes der Geldhahn zugedreht wurde, ist fraglich, ob das bislang hohe Niveau auf Dauer gehalten werden kann.

Aus "China" Dumont Richtig Reisen  1998

Wer interesse an chinesischer Musik aus allen Richtungen hat (Traditionelle, Pop, Klassik usw.), dem sei folgender Link empfohlen. Zum Anhören reicht der normale Windows Media Player aus:

Archiv chinesischer Melodien

Lieder aus der Zeit der Kulturrevolution

Erhu

"Es ist nicht das Ohr, das dem Klang lauscht, sondern der Klang selbst ist es, der den Weg in das Ohr sucht."

Tan Qiao, taoistischer Meister des 10.Jahrhunderts

Chinesische Musikinstrumente

Bawu: Quer gespieltes Blasinstrument aus Bambusrohr mit einem frei schwingenden Metallblatt, das durch Ein- und Ausatmen in Schwingung versetzt wird.

Bianqing: Steinerne Glocken in L-Form, die in einem Rahmengestell aufgehängt werden.

Bianzhong: Ein Satz gestimmter Bronzeglocken, von denen jede verschiedene Noten zu verschiedenen Intervallen erzeugt.

Dihu: Streichlaute mit der tiefsten Stimmung

Dizi: Querflöte aus Bambus mit einem zusätzlichen Blasloch, das mit einer feinen und resonierenden Membran aus den Fasern im Inneren der Bambuspflanze bespannt ist. Der Klang der dizi ist unverwechselbar brummend und nasal, ihr Tonumfang relativ gross.

Erhu: Die er (zwei) hu (barbarisch) ist mehr oder weniger eine Streichlaute mit mittlerer bis hoher Stimmung. Die tieferen Töne klingen kraftvoll, die mittleren Töne sanft und die hohen Töne heiter. Die Erhu hat von den Lauten die zweithöchste Stimmung.

Gu qin: Zupfinstrument mit sieben Saiten, auch als Qin bekannt. Das Tonvolumen ist begrenzt, der grosse Tonumfang und das herausragende Timbre machen es jedoch zu einem herrlichen Soloinstrument. Ursprünglich wurde die Gu qin bei Ritualen eingesetzt und besass in Korrespondenz zu den "Fünf Kräften" (Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser), die als aktive Elemente in allen materiellen und spirituellen Prozessen wirken, fünf Saiten.

Hu-Qin:(Röhrengeige) Die "barbarische Fiedel", von der man glaubt, dass sie um 140 v.Chr. nach China kam. Zweisaitiges Streichinstrument mit einem seelenvollen, der westlichen Violine gleichenden Klang.

Hulusi: Ein hohler Flaschenkürbis, in den drei Bambusflöten eingelassen sind.

Lusheng: Mundorgel der nationalen Minderheiten im südwestlichen China (Yunnan, Guizhou); ähnelt der Sheng, hat verschieden grosse Pfeifen. Ursprünglich mit sechs Pfeifen ausgestattet, es gibt aber auch lushengs mit fünfzehn Pfeifen.

Pipa: Viersaitige, birnenförmige Laute mit Bünden und einem Resonanzboden aus porösem Holz, der einen perkussorischen Klang entstehen lässt. Traditionell hat die Pipa vier Saiten aus Seide, die auf A-D-E-A gestimmt sind und mit den Fingernägeln der rechten Hand gezupft werden sowie sechs keilförmige Bünde mit sechsundzwanzig kleineren Bünden aus Bambus. Die Pipa kam zur Zeit der Han-Dynastie aus Zentralasien nach China und gelangte während der Tang-Dynastie zu grosser Popularität.

Sanxian: (Spiesslaute) Dreisaitig gezupfte Laute mit langem, bundlosen Hals und einem Resonator aus Schlangenhaut.

Sheng: Eine Mundorgel, die unter den chinesischen Instrumenten durch ihren harmonischen Klang besticht. In die Fassung der Windkammer aus Flaschenkürbis sind Bambuspfeifen verschiedener Länge eingelassen. Die Sheng wird durch Saugen und Blasen eines seitlich aus dem Kürbis herausragenden Mundstückes gespielt. Die Variante aus dem Norden Chinas besitzt siebzehn Pfeifen, die südliche dreizehn. Alle Pfeifen haben Rohrblätter. Die Sheng wird häufig als die Vorläuferin des Akkordeons betrachtet.

Suona: Holzpfeife mit Doppelrohrblatt, pirouettenförmigen Verzierungen und konisch erweitertem Rohr. Wird meist in Opern eingesetzt, hat einen hohen, heiteren Klang.

Xun: Eine Okarina beziehungsweise ein altes chinesisches Instrument mit mehr als 7000 Jahren Geschichte. In der Regel wird die Xun aus gebranntem Ton gefertigt, manchmal ist sie aber auch aus Stein. Sie besitzt neun oder zehn Löcher, eines davon an der Spitze, dadurch bläst man, sechs oder sieben auf der Vorderseite und zwei auf der Rückseite.

Yangqin: Ein Instrument, das viele Kulturen kennen: im Deutschen heisst es Zymbal oder Hackbrett, im Englischen dulcimer, in Osteuropa Zymbalon und im Iran und Irak santur. "Yang" bedeutet im Chinesischen "fremd", und "qin" ist der Gattungsname für Saiteninstrumente. Seit der Einführung dieses "fremden" Instrumentes aus Persien in China im siebzehnten Jahrhundert hat es sich zu einem führenden Instrument bei vielen regionalen Musikstilen in China entwickelt.

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