Mao Tsetung
Er wurde am 26.12.1893 in Shaoshan in der Provinz Hunan geboren und starb am 9.9.1976 in Peking. Er war bäuerlicher Herkunft, Hilfsbibliothekar in Peking, wurde 1920 Marxist und nahm 1921 an der Gründung der chinesischen KP teil. Gleichzeitig bekleidete er Funktionen in der mit der KP verbündeten Guomindang (Nationalpartei). Nachdem diese 1927 unter Führung Chiang Kai-sheks, mit der KP gebrochen hatte, organisierte Mao im Bergland zwischen Hunan und Jiangxi eine revolutionäre Bauernbewegung; 1931 errichtete er in Jiangxi einen "Sowjetstaat". 1934 durchbrach er die Umzingelung durch Guomindang-Truppen und führte zehntausende seiner Anhänger auf dem "Langen Marsch" (1934/35) in die nördliche Provinz Shaanxi, wo in Yan'an ein neues kommunistisches Zentrum entstand. Mao, der im Gegensatz zur offiziellen Parteilinie, in den armen Bauern die revolutionäre Hauptkraft sah und eine von ländlichen Stützpunkten ausgehende Guerillataktik befürwortete hatte deswegen jahrelang innerparteiliche Kämpfe zu bestehen. Seit 1935 war er dennoch die dominierende Persönlichkeit der Partei; 1945 wurde er mit der Wahl zum Vorsitzenden des Zentralkomitees offiziell als Parteiführer bestätigt.
Nach dem japanischen Überfall auf China (1937) verbündete sich Mao auf Kriegsdauer mit Chiang Kai-shek. 1946 brachen erneut Kämpfe aus, in deren Verlauf die kommunistischen Armeen das ganze Festland eroberten. Im Oktober 1949 rief Mao die Volksrepublik China aus; er wurde Vorsitzender der Zentralen Volksregierung.1954 nach Annahme der neuen Verfassung Vositzender der Volksrepublik (Staatsoberhaupt). Unter Maos Leitung begann die sozialistische Umgestaltung Chinas. 1957 leitete er die "Hundert-Blumen-Kampagne" für größere Meinungsfreiheit ein, die bald wieder abgebrochen wurde. 1958 proklamierte er den "Großen Sprung nach vorn", die sofortige Errichtung der kommunistischen Gesellschaftsordnung unter Überspringung bis dahin für notwendig gehaltener Etappen. Diese von der sowjetischen Führung mißbilligte Politik sowie außenpolitische Differenzen führten zu einem sich ständig verschärfenden Konflikt mit Moskau und letztendlich zur Spaltung der kommunistischen Weltbewegung. Mao erhob seither Anspruch auf die Führungsposition im Weltkommunismus. In China entwickelte sich, zweifellos von ihm selbst gefördert, ein zunehmender Kult um seine Person.
Nach wirtschaftlichen Rückschlägen, die Machtkämpfe im Gefolge hatten, trat Mao 1959 als Staatsoberhaupt zurück, behielt aber seine Parteiämter. In der "Kulturrevolution" (1966-1969) gelang es ihm, seine auf eine gemäßigte Politik dringenden innerparteilichen Gegner (vor allem Liu Shaoqui) auszuschalten und seine radikale Linie durchzusetzen. Anschließend (1971) entmachtete er seinen designierten Nachfolger Lin Biao. In der Folge unterstützte er mit seiner Autorität die von Minister-Präsident Zhou Enlai repräsentierte Politik, die innenpolitisch auf Konsolidierung und wirtschaftlichen Wachstum, außenpolitisch auf Durchbrechung der Isolierung Chinas abzielte. Im Februar 1972 empfing er in Peking den US-amerikanischen Präsidenten Richard Nixon. In seinen letzten Lebensjahren stand er, bei krankheitshalber eingeschränkter Handlungsfähigkeit, anscheinend wieder stärker unter dem Einfluß der radikalen Fraktion in der Parteiführung, der auch seine Ehefrau Jiang Qing angehörte.
Maos politsche und philosophische Schriften waren für den chinesischen Kommunismus grundlegend (Maoismus); nach seinem Tod betrieb die neue Parteiführung jedoch eine begrenzte Entmaoisierung. Eine Auswahl von Zitaten "Worte des Vorsitzenden Mao Tsetung" ("kleines rotes Buch"), war Ende der 1960er Jahre weltweit verbreitet. In der Dritten Welt fand Mao besondere Beachtung, als Theoretiker des "revolutionären Volkskrieges". Er schrieb auch Gedichte im klassischen Stil.
(Bertelsmann Universal Lexikon, 1992)