Macao

Macao liegt an der Südostküste Chinas, 40 sm westlich von Hongkong, und ist über einen kilometer-breiten Wasserweg von Wanzai, Stadt Zhuhai, Provinz Guangdong, zu erreichen. Im Süden Macaos liegt das Südchinesische Meer und im Norden trennt eine 200 m lange Nehrung Macao von Gongbei, Stadt Zhuhai.

Das Gebiet Macao besteht aus der Halbinsel gleichen Namens sowie den beiden ihr südlich vorgelagerten Inseln Taipa und Coloane. Die drei Teile sind durch die Macao-Taipa-Brücke und die Coloane-Taipa-Straße miteinander verbunden.

Seit ein paar hundert Jahren haben die Bewohner Macaos ständig durch Aufschüttung Boden aus dem Meer gewonnen. Ursprünglich war Macao eine kleine Insel mitten im Meer, der vom Perl-Fluß abgelagerten Sand schuf eine breite Nehrung zwischen Zhuhai und Macao und so entstand eine Halbinsel. In alter Zeit schien das Meer um die Halbinsel im Mondlicht noch silbern zu leuchten, und es spiegelte sich alles im Wasser. Deshalb nannte man Macao auch "Haojiang".

Bevor Hongkong als Hafen ausgebaut wurde, zählte Macao zu den größten Handelsstädten im Osten und war ein wichtiger Ort für den Handel zwischen Europa und China. Als Hongkong sich zur Hafenstadt entwickelte, verlor Macao an Bedeutung. In den letzten 20 Jahren hat die Reform- und Öffnungspolitik die wirtschaftliche Entwicklung Macaos wieder stark vorangetrieben, so daß es zu den 45 Ländern und Gebieten zählt, in denen die Bewohner ein überdurchschnittlich hohes Einkommen haben. Macao hat einen internationalen Freihafen. Mit 125 Ländern und Gebieten bestehen Wirtschafts- und Handelskontakte; besonders mit den EU-Ländern und Lateinamerika gibt es enge Verbindungen. Gleichzeitig spielt Macao bei der regionalen Zusammenarbeit eine wichtige Rolle. So hat Macao mit der EU zusammen im Jahre 1992 ein "europäisches Beratungszentrum" eingerichtet, das zur wirtschaftlichen Entwicklung Chinas wie auch anderer asiatischer Länder und sogar von EU-Ländern beigetragen hat.

Macao wird als "Edelstein im Osten" geschätzt. Es ist bekannt für seine Glücksspiele und wird als das "orientalische Monte Carlo" bezeichnet. Es ist zugleich ein "Museum" für chinesische und europäische Kulturen und nimmt eine Brückenfunktion zwischen dem Festland und Taiwan wahr. Macao ist 22 km2 groß und hat 400 000 Einwohner. Jedes Jahr kommen mehr als acht Mio. Besucher nach Macao, allein die Zahl der Fahrgäste vom Festland über Macao nach Taiwan und umgekehrt beträgt über eine Mio.

Teil des chinesischen Territoriums

In den Dünen auf der Coloane wurden viele Kulturgegenstände seit dem Neolithikum entdeckt und ausgegraben. Sie sind Beweise dafür, daß die Chinesen schon vor 5000 auf dieser Insel lebten. 221 v.u.Z. wurde China vereint und Macao wurde offiziell in das chinesische Territorium aufgenommen, es unterstand dem Kreis Fanyu, Präfektur Nanhai. In der Ming-Zeit kamen zwischen 1465 und 1488 viele Fischer aus Quanzhou, Putian, Provinz Fujian, und Chaozhou und Shantou, Provinz Guangdong, auf die Insel. Sie glaubten an A-Ma und haben dort viele A-Ma Tempel gebaut. Daraus sieht man, daß Macao damals durchaus kein Ödland war.

Im Jahr 1535 wurde der Hafen von Macao geöffnet. Ausländer durften auf dem Meer in der Nähe von Macao mit China Handel treiben. 1553 haben dann die Portugiesen die lokalen Beamten bestochen und ihre Forderungen, an Land gehen zu dürfen, wurden deshalb genehmigt. Seither wurden sie dort ansässig und vergrößerten allmählich ihren Lebensraum. Bei ihnen herrschte zwar die portugiesische Verwaltung, aber die Qing-Regierung übte ständig die Souveränität über Macao aus.

Die Niederlage der Qing-Regierung im ersten Opiumkrieg von 1840 nutzte die portugiesische Regierung, um Anspruch auf chinesisches Hoheitsgebiet zu stellen. Trotz eindeutiger Ablehnung dieses Anspruchs durch die Qing-Regierung griffen die Portugiesen zur Gewalt und vertrieben die chinesischen Beamten. 1851 bzw. 1864 wurden Taipa bzw. Coloane von ihnen erobert. Danach wurde Macao ein Zentrum für Menschenhandel. Portugiesische und andere europäische Menschenhändler haben Zigtausende von Chinesen über Macao nach Amerika und Ozeanien verkauft, wodurch die portugiesische Regierung in Macao Reichtümer anhäufen konnte. Gleichzeitig lebten viele Glücksspielsalons mit Unterstützung der portugiesischen Regierung in Macao auf.

Seit Gründung des Neuen China im Jahr 1949 hatte die chinesische Regierung mehrfach erklärt, daß Hongkong und Macao Teile des chinesischen Territoriums seien. Alle ungleichen Verträge, die ausländische Mächte China aufgezwungen hatten, wurden nicht akzeptiert. Die chinesische Regierung erklärte, in angemessener Zeit die von der Geschichte hinterlassenen Probleme durch Verhandlungen lösen zu wollen.

Nach 30 Jahren war China stark und die Zeit für die Rückgewinnung Macaos reif. Als China und Portugal im Jahr 1979 diplomatische Beziehungen aufnahmen, erkannte die portugiesische Regierung Macao als Teil des chinesischen Territoriums an. Am 30. Juni 1986 fand die erste Gesprächsrunde über die Macao-Frage zwischen China und Portugal in Beijing statt. Dabei bestätigte die portugiesische Seite, daß die chinesische Seite die Souveränität über Macao besitze. Bei den chinesisch-portugiesischen Verhandlungen über die Macao-Frage gab es im Unterschied zu den chinesisch-englischen Verhandlungen über die Hongkong-Frage von Anfang an keinen Souveränitätsstreit.

Es war der Traum vieler Generationen von Chinesen, Macao wiederzugewinnen. Viele haben dafür ihr Leben hingegeben. Am 20. Dezember 1999 wird der Traum nun Wirklichkeit.

Mit der reibungslosen Rückkehr Macaos zu China geht die Zeit der ausländischen Verwaltungen auf chinesischem Territorium zu Ende. Dies zeigt die Stärke Chinas und schlägt zugleich ein neues Kapitel in der Geschichte der chinesisch-portugiesischen Beziehungen auf. Wie Staatspräsident Jiang Zemin sagte: "Das symbolisiert das endgültige Ende der westlichen Kolonialherrschaft in Asien."

Ein "Museum" für chinesische und ausländische Kulturen

Die Kultur von Macao ist geprägt von Offenheit, Kompatibilität und Pluralität. Wegen seiner geographischen Lage und speziellen Gegebenheiten der Geschichte wird Macao seit alters her als Brücke zwischen chinesischen und ausländischen Kulturen dargestellt. In der Ming- und Qing-Zeit wurde die alte orientalische Zivilisation über Macao nach Europa verbreitet und die abendländische Zivilisation kam über Macao ins chinesische Binnenland. Die großen chinesischen Denker und Politiker wie Sun Yat-sen, Kang Youwei und Liang Qichao kamen nach Macao, um die westliche Kultur zu erforschen; berühmte Ausländer wie Matteo Ricci, Adam Schall von Bell, Thomas Pereira und Joseph Castiglione kamen über Macao nach China.

Seit 400 Jahren dominiert in Macao die chinesische traditionelle Kultur, aber auch die westliche Kultur hat hier ihren Platz. Als "Museum" für chinesische und ausländische Kulturen präsentiert sich Macao nach vielen Seiten hin; auch bei Religionen, Sprachen, Rassen, Sitten und Gebräuchen, Bauten und Gastronomie. Hinsichtlich der Religionen findet man dort noch viele religiöse Rituale und Feierlichkeiten, die im chinesischen Binnenland längst verlorengegangen sind. Die meisten Bewohner Macaos glauben an A-Ma und Guanyin-Bodisattva; verehren aber auch den göttlichen Guan Yu, den Herd-Gott und vor allem den Gott des Reichtums. Der Katholizismus existiert in Macao seit über 400 Jahren. Das im 16. Jahrhundert eingerichtete Madre de Deus-Kolleg war in der Kathedrale São Paulo. Es war die erste westliche Hochschule in Fernost und die Kathedrale São Paulo war damals das erste und größte Missionszentrum in Asien. Die christliche Religion wurde vor 191 Jahren in Macao eingeführt. Gegenwärtig gibt es dort 54 christliche Kirchen. Am Hochzeitstag tragen viele Brautpaare zuerst traditionelle chinesische Kleidung, beten zum Himmelsgott, zum Erdgott und zu den Vorfahren, dann ziehen sie sich westliche Tracht an und werden vom Priester getraut. An Fest- und Feiertagen begehen die Bewohner Macaos das Frühlingsfest, das Drachenbootfest, das Mondfest und das Totenfest, aber auch das Weihnachtsfest und Ostern. Außerdem sind in Macao überall traditionelle chinesische Wohnhäuser und Tempel sowie europäische Gebäude und Kirchen zu sehen. In Macao kann man sowohl typisches chinesisches als auch europäisches Essen genießen.

Eine Brücke zwischen dem Festland und Taiwan

Da es keine Direktverbindung zwischen dem Festland und Taiwan gibt, stellt Macao eine wichtige Verbindung dar. Taiwanesen können sich visafrei 20 Tage in Macao aufhalten, deshalb wählen viele von ihnen Macao als Umsteigeort. Zwischen September 1988 und Oktober 1993 hat die Behörde von Macao eine Schiffahrtslinie von Macao nach Gaoxiong betrieben, durch die unzählige Landsleute aus Taiwan ihre Träume von einem Familientreffen verwirklichen konnten. Am 8. Dezember 1995 wurde der internationale Flughafen Macao dem Verkehr übergeben, damit konnte man von Taiwan über Macao direkt zum Festland fliegen, ohne umsteigen zu müssen. Darüber hinaus sind Sonderpassagen zwischen Gongbei, Stadt Zhuhai, und Macao für Taiwanesen frei, bereits 1,2 Mio. Landsleute aus Taiwan haben das genutzt. Außerdem stellt Macao ein Bindeglied für den Kultur- und Handelsaustausch zwischen dem Festland und Taiwan dar.

Eine vielversprechende Zukunft

Gemäß der Richtlinie "Ein Land, zwei Systeme" wird Macao nach der Übergabe an China 50 Jahre lang das kapitalistische System und dessen Lebensstil unverändert beibehalten. Darüber hinaus werden die Einwohner Macaos Macao selbst verwalten und es gilt eine Autonomie in hohem Grad für Macao. Darum können alle Bevölkerungskreise voller Zuversicht in ihre Zukunft blicken. Seit Unterzeichnung der Gemeinsamen Erklärung sind die Bewohner Macaos sehr aktiv beim Lernen und Popularisieren des Grundgesetzes von Macao und machen Vorschläge für die Gründungsarbeit der Sonderverwaltungszone. Herr Ma Wanqi, der respektierte Präsident der Chinesischen Haupthandelsgesellschaft Macao, hat gesagt: "In den letzten 400 Jahren gab es in Macao 127 von der portugiesischen Regierung ernannte Gouverneure. Die Chinesen, die 96% der Bevölkerung ausmachen, hatten keinerlei Wahlrecht."

Seit langem herrschen zwischen Macao und dem Festland wirtschaftliche Beziehungen zum gegenseitigen Vorteil und zur gegenseitigen Förderung. Die Belebung Macaos in den letzten 20 Jahren ist von der Unterstützung des Festlandes nicht zu trennen. Das Festland hat nicht nur Rohstoffe, Arbeitskräfte und Agrarprodukte, sondern auch Kapital und Technologie nach Macao ausgeführt.

Nach der Übergabe hat Macao sicher eine noch bessere Perspektive für die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit dem Festland zu erwarten. Die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Zhuhai und Macao ist Beweis dafür. Von 1978 bis Juni 1999 sind die Investitionsprojekte auf 1798 gestiegen, das sind 30% der Direktinvestitionen ausländischen Kapitals in Zhuhai. In Macao gibt es mehr als 30 Projekte aus Zhuhai und das gesamte Kapitalvolumen beträgt über 10 Mrd. Hongkong-Dollar. Zhuhai ist 77mal so groß wie Macao und reich an Bodenressourcen; qualifizierte Fachkräfte aus allen chinesischen Landesteilen stellen starke Personalreserven für beide Städte dar. Die 700 km lange Küstenlinie und die gute Infrastruktur sind vorteilhaft für Macao. Es wird berichtet, daß ein neues Bauprojekt, die Brücke Lingdingyang, schon von den zuständigen chinesischen Behörden genehmigt wurde. Die Brücke wird Shenzhen, Hongkong, Zhuhai und Macao miteinander verbinden und dient der weiteren regionalen wirtschaftlichen Entwicklung.

Im Jahr 1999 ging es mit dem ins Stocken geratenen Tourismus wieder aufwärts. Laut Statistik der Abteilung für Tourismus der Macao-Regierung belief sich die Zahl der Touristen vom Festland in den ersten vier Monaten auf 470 000, verglichen mit dem entsprechenden Zeitraum des letzten Jahres ist das ein Zuwachs von 130%. Abteilungsleiter Huo Tianle ist der Meinung, das Macao-Fieber auf dem Festland sei ein wichtiger Grund dafür.

Aus "China heute" 12/99

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