Kublai Chan
1215-1294
Mehr als 150 Jahre nach der Teilung haben Nord- und Südchina wieder einen gemeinsamen Herrscher. Doch auf dem Thron in Khanbalik (Beijing) sitzt kein Chinese, sondern ein Nachfahre des Mongolenfürsten Dschingis Khan. Zum ersten Mal steht ganz China unter Fremdherrschaft und gehört zum Einflussbereich des Steppenvolkes, der sich von der Mandschurei bis nach Europa erstreckt.
Kublai Chan wird 1215 geboren, in dem Jahr, als mongolische Reitertruppen das heutige Beijing erobern und bald das gesamte Nordreich unter ihrer Kontrolle haben. Kublai bewährt sich als Feldherr und setzt sich 1260 gegen seinen Bruder als Großkahn durch. Er verlegt den Regierungssitz aus dem mongolischen Karakorum nach Beijing und beginnt 1268 mit der Invasion des Südlichen Song-Reiches. 1279 ist die Eroberung ganz Chinas vollzogen und Kublai Chan Kaiser: Der Großkahn, der kaum Chinesisch versteht, hat 1271 eine Dynastie mit dem Namen Yuan ("Ur-Anfang") gegründet. Mit einer einheitlichen Währung gibt er der Wirtschaft weiteren Auftrieb. Kaufleute aus dem Iran, Russland und den Mittelmeerländern kommen über die Karawanenwege nach China. Auch das Wissen arabischer Ärzte und indischer Mathematiker verbreitet sich bis ins Reich der Mitte. Manche Ausländer werden sogar hohe Beamte des Großkahns.
Die Chinesen aber schließt der Kaiser von allen führenden Ämtern aus. Als es ihm zweimal misslingt, Japan zu erobern, verliert der Herrscher vermutlich auch unter den Mongolen an Ansehen. Nach Kublais Tod 1294 zerbricht das Großreich unter schwachen Nachfolgern. 1368 werden die Mongolen von Aufständischen aus China vertrieben.
GEO-Epoche, Das Alte China, 2002