Konfuzianismus
Die Ethik
des Konfuzius, die von Meng-tse ausgebaut wurde,
geht davon aus, daß der Mensch von Natur aus gut ist und alles Böse
einer mangelnden Einsicht entstammt. Die Erziehung des Menschen zu Tugend
und Harmonie ist daher das oberste Gebot. Die heiligmäßigen und
weisen Männer der Geschichte gelten als Vorbilder, daher ist die
Ehrerbietung gegen Eltern und Ahnen Pflicht. Der Konfuzianismus hat zum Ziel
die Erziehung zu Wahrheitsliebe, Güte und Großzügigkeit,
die Pflege der Familienbeziehung und die Verpflichtung auf höfliche
Umgangsformen. Er erstrebt ein bestimmtes Mäßigkeitsideal ohne
Askese und hält die "Goldene Regel" (Gegenseitigkeit im Umgang) hoch.
Der Mensch muß das Ganze, die kosmischen Zusammenhänge bedenken
und stets das Gemeinwesen und Staatsinteresse im Auge haben.
Der Konfuzianismus entwickelt diese hohe Ethik ohne sich dabei auf göttliche Gebote oder Offenbarungen zu berufen; daher wurde ihm von religiöser Seite oft der Vorwurf gemacht, er entwickle eine autonome Ethik ohne metaphysische Grundlagen. Aber Konfuzius war kein Gegner der Religion, er war ein konservativer Aristokrat und bejahte die traditionellen (religiösen) Riten ausdrücklich. Er trat aber nicht für bestimmte Glaubensvorstellungen ein und machte auch keine Aussagen über das Jenseits oder ein Leben nach dem Tode, bejahte aber den Ahnenkult. Er vermied alle Spekulationen über transzendente Dinge und gebrauchte für das höchste Prinzip nicht den Begriff "Shang-ti" (Oberster Herr), sondern "T'ien" (Himmel), er hielt also offen, ob das höchste Prinzip personal gedacht werden soll oder nicht. Besonderen Wert legte er hingegen auf die Betonung der kosmischen Harmonie. Da der Konfuzianismus keine Aussagen über Gott oder ein göttliches Wesen macht, wird er von vielen nicht als Religion im eigentlichen Sinne, sondern als Staatsphilosophie und Ethik betrachtet. Über die Kulte und Riten und die göttliche Verehrung des Konfuzius ist er in China aber doch zu einer Art Religion geworden. Konfuzius selbst glaubte an die Kraft ritueller Handlungen, das Herz des Menschen einsichtig zu machen. Das chinesische Denken unterscheidet "chia" (=Philosophie) von "chiao" (=Religion), betont aber die Zusammengehörigkeit beider. Konfuzius gilt den Chinesen als "Ju" (=Gelehrter, Literat) und damit als Ausdruck der geistigen Kultur Chinas.
Die konfuzianische Soziallehre dreht sich um den zentralen Begriff des "jen", der soviel wie "Menschlichkeit" bedeutet und sich aus 5 Tugenden zusammensetzt: Würde, Großzügigkeit in den Anschauungen, Treue bzw. Aufrichtigkeit, Fleiß und Wohltätigkeit, und meint besonders die Erfüllung der sozialen und politischen Pflichten des Menschen im organisch gedachten staatlichen Zusammenleben. Die Aufrichtigkeit im Herzen geht mit dem Streben nach persönlicher Vervollkommnung einher. Als Tugenden gelten Mäßigung, Gleichgewicht und Rechtlichkeit. Die Achtung vor den Riten (Li) regelt die soziale Ordnung durch einen Bezug der Gegenwart zu den Ahnen und dem Raum der Geschichte.
entnommen aus "Weltreligionen" Könemann Verlag