Chinesische Kampfkunst
Tai Chi und Kung-Fu
Die Ursprünge von Tai Chi gehen auf das sechste Jahrhundert n.Chr. zurück. In dieser Zeit machte sich der indische Priester Bodhidharma nach China auf, um dort den Buddhismus verbreiten zu helfen. Er ließ sich im Kloster Shaolin nieder und machte Meditationsübungen mit den Mönchen. Besonders aufregend kann das nicht gewesen sein, denn die Ordensbrüder schlummerten dabei immer wieder ein. Bodhidharma änderte deshalb sein Programm und brachte ihnen 18 Bewegungen aus einer Kampfkunst bei, die Körper und Geist auf Trab bringen sollten. Diese Übungen, die auf Tierfiguren aufbauten, wurden im Kloster zu einem 170teiligen Zyklus mit dem Namen "Die fünf Tiere des Shaolin" weiterentwickelt. In der ersten Form versuchte der Übende, sich in einen Tiger hineinzudenken und seine mächtigen Bewegungen nachzuahmen. Es folgte der Kranich, der wegen seines blitzschnellen Zustoßens bewundert wurde. In der dritten Übung eiferte der Schüler der rasanten Schnelligkeit des Leoparden nach, in der vierten versuchte er, sich so behende und ungezwungen wie ein Drache zu bewegen. In der fünften Form war sein Vorbild eine langsame, aber geschmeidige Schlange.
Da das Kloster in einer wilden Gegend lag, in der es von Wegelagerern nur so wimmelte, entdeckten die Mönche, daß sie sich mit den "fünf Tieren" ihrer Haut erwehren konnten. So entstand daraus die Selbstverteidigungskunst Kung-Fu. Sie bot den Mönchen ein ausgezeichnetes Training des Geistes. Wer selbst in höchster Gefahr absolute Ruhe bewahren und sich auf seinen Gegner konzentrieren konnte, brachte auch beim Meditieren seinen Kopf unter Kontrolle und ließ sich durch nichts ablenken.
Rund tausend Jahre lang übten sich die chinesischen Geistlichen in Kung-Fu - bis um 1400 der taoistische Mönch Zhang Shanfeng die Aggressivität des Kampfsports kritisierte. Der Taoismus strebe Harmonie zwischen Mensch und Kosmos an und verlangte, daß das Weiche, das Harte besiege. Der Mönch entwickelte deshalb Kung-Fu zu einem neuen Stil weiter.
Dabei half ihm eine Beobachtung: der Kampf zwischen einer Schlange und einem
Kranich. Obwohl der Vogel viel stärker und schneller war, verlor er.
Denn bevor er mit seinem scharfen Schnabel zustoßen konnte, mußte
er kurz innehalten und zielen. In diesem Moment attackierte die sich
ständig in Bewegung befindliche Schlange ihren Widersacher und tötete
ihn
. Dieses
Prinzip übertrug der Mönch auf die ursprünglich harten und
ruckhaften Bewegungen. Sie wurden nun weich, fließend und nachgebend
wie die eines Baumes, der sich im Sturm bewegt. Neben Kung-Fu entstand so
Tai Chi- "die Kunst, tausend Pfund mit einer Kraft von vier Unzen zu besiegen".
entnommen aus "Geheimnisvolles China" PM Perspektive
"Kung-Fu ist ein Teil meiner selbst"
Bruce Lee
Kung-Fu ist eine besondere Art von Fähigkeiten, mehr eine Kunst als nur eine körperliche Übung. Es ist die subtile Weise, das Wesentliche des Geistes mit der Technik in Übereinstimmung zu bringen, in der er zum Tragen kommen soll. Das Kung-Fu-Prinzip ist nichts, das man erlernen kann wie eine Wissenschaft durch das Aufspüren und Lehren von Fakten. Es muß spontan wie eine Blume in einem von Emotionen und Wünschen freien Geist wachsen. Das Herz des Kung-Prinzips ist Tao - die Spontanität des Universums.
Die meisten Kampfsysteme gipfeln in unsinnigen Übungen, die ihre Schüler sich verkrampfen und verrenken lassen und sie von der eigentlichen Wirklichkeit des Kämpfens ablenken, die einfach und direkt ist. Anstatt direkt ins Herz der Dinge vorzustoßen, werden blumige Formen und künstliche Techniken rituell präsentiert, die einen wirklichen Kampf simulieren. Statt im Kampf zu sein, tun diese Schüler etwas, was mit Kampf zu tun hat.
Das Ziel von Kung-Fu ist es, dem Gegner mit einem Minimum von Bewegungen ein Maximum an Schaden zuzufügen. Das wird mit den Knien, den Ellenbogen, Fingern in den Augen und Tritten gegen die Zähne erreicht.
99 Prozent dieser ganzen orientalischen Selbstverteidigung ist Humbug. Es sieht toll aus, aber es funktioniert nicht, es ist alles nur Schau. Ein Mensch wartet einfach nicht darauf, geschlagen zu werden. So viele Karate-Schüler stehen da und schnaufen und denken an die erlernten Abwehrbewegungen, so daß sie vergessen, was sie dem Gegner antun sollen, nämlich ihn möglichst schnell aus dem Weg räumen.
Wenn ein Bildhauer an einer Statue arbeitet, dann fügt er auch nicht ständig etwas hinzu, sondern er meißelt das Unwesentliche weg, bis die Wahrheit ohne Verschleierung hervorkommt. Jeet Kune Do heißt nicht, etwas hinzufügen; es bedeutet, etwas weglassen, das Unwesentliche nämlich.
aus einem Interview mit Bruce Lee