Chiang Kai-shek
Chiang Kai-shek wurde am 31. Oktober 1887 in der Provinz Tschekiang geboren. Seine Mutter war eine fromme Buddhistin und sein Vater ein Salzhändler; er starb als Chiang erst acht Jahre alt war. Mit 14 wurde er auf Wunsch seiner Mutter an Mao Fu-mei verheiratet, die 1908 einem Sohn das Leben schenkte (Chiang Ching-Kuo - ehemaliger Präsident der Regierung von Taiwan).
Die chinesische Monarchie war damals im Zerfall begriffen. Es war die Zeit des Nationalismus und der revolutionären Bestrebungen. Der junge Chiang ließ sich in den Strudel der Zeit hineinziehen und studierte in Japan Militärwissenschaft. Dort traf er auch den Revolutionär Sun Yatsen. Chiang schloß sich Sun und seinen Leuten an, die in china Überfälle organisierten. 1912 wurde Dr.Sun Yatsen der erste Präsident der provisorischen chinesischen Republik. Henry Pu Yi dankte als Kaiser ab, womit nicht nur die Tsching - Dynastie, sondern auch das Kapitel von 50 Jahrhunderten Monarchie in China abgeschlossen war. Chiang kehrte nach China zurück.
Zwei Episoden seines Lebens hinterließen Spuren im Wesen des jungen Chiang. 10 Jahre lang lebte er in Shanghai, wo er in den Kreisen der superreichen Kaufleute und Bankiers der Stadt verkehrte. Damals knüpfte er die persönlichen Kontakte, die später seine politische Machtposition begründeten und es ihm ermöglichten, zwei Jahrzehnte lang Krieg zu führen und später auf Taiwan sein nationalistisches Regime zu errichten. Chiangs Liebe für die Stadt Shanghai brachte ihn dazu, Taipei nach ihrem Vorbild zu bauen.
Die zweite wichtige Episode im Leben Chiangs war seine Moskauer Mission von 1923, wo er im Auftrag Suns Verhandlungen führte. Seitdem begegnete er den Sowjets mit Mißtrauen und wurde zum leidenschaftlichen Antikommunisten.
Nach der erfolgreichen "Expedition in den Norden" gegen die Warlords, die China in einzelne Lehnsgüter aufgeteilt hatten, zog Tschiang im Triumphzug in Shanghai ein, von wo aus er seine Machtposition konsolidieren wollte. 1927 heiratete er seine zweite Frau Mei-ling. Sie war die Tochter der mächtigsten Bankiersfamilie des Landes und die jüngere Schwester der Witwe Sun Yatsens, der mit 59 Jahren in Peking gestorben war. "Madame Chiang" war in Amerika christlich erzogen worden. Vor ihrer Heirat konvertierte auch Chiang zum Christentum, was später von Bedeutung wurde.
1943 hatte der Generalissimus auf der Konferenz von Kairo eine Begegnung mit Präsident Franklin D. Roosevelt und Winston Churchill. Die drei plädierten dafür, daß die Mandschurei, Taiwan und die Pescadoren-Inseln, nach dem Krieg wieder zu China gehören sollten.
1945 mußte Japan kapitulieren, womit Chiang noch lange nicht am Ende seiner Wünsche war. Die Kommunisten erhoben sich gegen seine nationalistische Armee. Vier lange Jahre war China vom erbittert geführten Bürgerkrieg gekennzeichnet.
1948, noch mitten im Bürgerkrieg, fanden die Wahlen statt, die Chiang Kai-shek zum Präsidenten der Republik China machten. Die Situation war damals politisch wie militärisch fast aussichtslos geworden. Die Kommunisten hatten die Initiative im Bürgerkrieg an sich gerissen.
Am 21. Januar 1949 trat Chiang Kai-shek, die endgültige Niederlage vor Augen, von seinem Präsidentenposten zurück.
(Apa Guides "Taiwan" 1988)