Hampton Court

Ganz stilvoll wäre es, in Hampton Court per Boot einzutreffen. Wenn man allerdings versuchen sollte, einen Fährmann anzuheuern, so dürfte dies schwierig sein, da die letzten zum Anfang dieses Jahrhunderts verschwanden. Genau auf diese Weise reiste jedoch Cardinal Wolsey zu seinem herrlichen Tudorpalast an der Themse.

Viel einfacher ist es, mit dem Zug von Waterloo zum Bahnhof Hampton Court zu fahren und dann über die Brücke zu gehen, auch wenn es ein wenig der Romantik entbehrt. Oder man nimmt statt dessen den Zug bis Hampton Wick, und läuft von dort aus durch Hampton Court Park . An einem trockenen Herbstmorgen saugt die Sonne den Nebel von den Rasenflächen, auf denen die Rehe äsen, und trifft dann auf die warmen Ziegelmauern des Palastes. Der Park ist voller Bäume und Vögel - Spechte, Wasserhühner, Gänse, Schwäne, Reiher, sogar ein Schwarm grüner Papageien, die in London immer zahlreicher werden.

Der Palast ist um drei Höfe herumgebaut. Der Clock Court ist der kleinste und hübscheste, er ist umringt von den älteren Teilen des Palastes. Hier findet man eine riesige, im Jahre 1540 entstandene astronomische Uhr mit integrierten Sternzeichen, Mondphasen, Monaten und Tagen - eine Art Rechenmaschine der Tudorzeit.

Der Fountain Court ist der jüngste - er bildet das Zentrum der Anbauten, die Sir Christopher Wren im 17. Jahrhundert errichtete. Wren wollte den Tudorpalast weitgehend abreißen und ein neues Versailles entstehen lassen. Der Base Court ist recht unscheinbar und am wenigsten interessant.

Während man den Palast besichtigt, sollte man sich immer wieder in Erinnerung rufen, daß Cardinal Wolsey all dies initiierte. Der Schlachterssohn aus Ipswich schaffte seinen Aufstieg mittels der Kirche und wurde schließlich Lord Chancellor unter Henry VIII. Bei Henrys Bruch mit Rom zeigte seine Unterstützung nicht die gewünschte Wirkung: er wurde verstoßen, und der König bemächtigte sich des Palastes. Mit anderen Worten: Hampton Court gelangte wie so vieles andere in London durch Beschlagnahme in den Besitz eines Regenten. Ausschließlich in den georgianischen Gemächern wird man auf eine Erwähnung des Kardinals treffen - im Wolsey Closet, einem kleinen, dunkel vertäfelten Raum mit einer in Gold, Blau und Rot gehaltenen Decke und überreicher Ausschmückung mit dem Emblem der Tudor-Rose.

Ebenso zu besichtigen ist der Königliche Tennisplatz. Ohne Aufpreis kann man den Royal (oder Real) Tennis Court besichtigen und, mit etwas Glück, mit einem Profi ein paar Bälle wechseln. Real tennis, das "wahre" Tennis, ist älter als Rasentennis und viel komplizierter. Es sieht verteufelt schwierig aus - eine Kreuzung aus Tennis, Squash und Billard.