Greenwich

Die königliche Gemeinde Greenwich verfügt über eine Fülle historischer Gebäude - sie erinnern an Könige, Königinnen und Menschen, ruhmreich sowie bescheiden, die dort lebten und arbeiteten. Aber die Geschichte von Greenwich begann lange bevor man überhaupt erst anfing, die vorhandenen Gebäude zu bauen. Es ist überliefert, daß die angreifende dänische Flotte 1012 bis 1015 vor Greenwich lag. 1902 förderte man im Greenwich Park die Überreste eines römisch-britischen Tempels zu Tage. Ausgrabungen in Charlton belegten das dortige Bestehen einer befestigten Hügelsiedlung, die möglicherweise bis zurück in die Eisenzeit datiert.

Es ist möglich, daß Greenwich bereits zur Zeit Alfred des Großen (871-901) ein geschäftiger Hafen war. Der König gab Greenwich an seine jüngste Tochter Elstrudis - wahrscheinlich als Mitgift - , als sie sich mit Balduin II. dem Graf von Flandern, vermählte. Ihr Ehemann starb 918 und zu seinem Andenken schenkte Elstrudis das Gut Greenwich sowie Woolwich und Lewisham dem Abt von Gent. Eine solche Schenkung brachte mit sich, daß örtliche Abgaben des Zehnten sowie Wegzölle usw. Einkünfte für Gent waren. Mittelalterliche Dokumente verweisen auf ein großes Haus am Fluß am Ballast Quay, als Old Court beschrieben. Dieses Haus am Fluß war ein Gasthaus - die Herrschaftsgebäude befanden sich in Rushey Green, von wo aus ganz Greenwich, Lewisham, Woolwich etc. verwaltet wurde .

1801 verfasste Wilhelm der Eroberer eine Charta, die die Schenkung an die Abtei bekräftigte - die erste Zeugenunterschrift war die seiner Gattin, Mathilda von Flandern, die selbst in direkter Linie von Elstrudis abstammte.

Über die Jahre hinweg wuchs jedoch der Unmut über die Auferlegung von Zöllen und Geldbußen, und die Beschwerden bezüglich einer Gefährdung des Landes in Kriegszeiten nahmen zu. Teile des Besitztums wurden an Pächter vermietet, und nach und nach schwächte sich die Macht der Äbte von Gent. 1414 verabschiedete Heinrich V. schließlich ein Gesetz, das ausländische Häuser untersagte, und das Gut Greenwich wurde der Kartäuser-Priorei in Shere übertragen und fiel schließlich 1530 an die Krone.

1433 gewährte das Parlament Humphrey, dem Herzog von Gloucester (Onkel des zwölfjährigen Königs Heinrich VI.), das Recht, einen 80 Hektar großen Park in Greenwich einzurichten, und hier, am Fluß, baute Herzog Humphrey Bella Court - mit einem Wachturm auf dem Hügelgipfel, wo heute das Observatorium steht. Als der Herzog starb, übernahm Margaret von Anjou, die Gattin von Heinrich VI, den Besitz.

Zur Zeit der Tudors nannte man das Schloß Placentia, es wurde in großem Maß umgebaut und Greenwich wurde zu einem der Lieblingssitze der königlichen Familie. Heinrich VIII wurde dort geboren, sowie seine beiden Töchter, Maria I und Elisabeth I. Dort vermählte sich Heinrich VIII mit Katarina von Aragon -und von dort aus reiste auch Anne Boleyn den Fluß hinauf, um zur Königin gekrönt zu werden. Man veranstaltete Turniere, Wettbewerbe, Jagden und Falkenjagden und hielt Staatsempfänge im Schloß ab. In Deptford und Woolwich errichtete man königliche Werften und einige der besten europäischen Rüstungen wurden in Greenwich angefertigt.

Während der Bürgerkriege und der Regierungszeit des Parlaments (1642-1660) verfiel das Schloß Placentia und wurde später abgerissen, um Raum für ein Marinekrankenhaus zu schaffen. Die alte Tudor-Krypta des Großen Saals des alten Schlosses befindet sich jedoch noch unter dem Queen Anne - Gebäude, ist aber der Öffentlichkeit normalerweise nicht zugänglich.