Grabstätte
Keuchend, mit der Schaufel in der Hand
Grab ich feuchtes Erdgut auf
Hinter mir: meiner Seele alter Tand
In einem modrigen Sack zuhauf.
Wütend grab ich weiter
Will diese Last nicht mehr
Das Leben ohne sie - gewiss viel heit'rer
Geb' alle Kraft jetzt dafür her.
Endlich nun ein tiefes Loch gegraben
So groß wie all die Seelenlast
Die größten Schuhe will ich haben
Zieh sie mir über - ohne Hast.
Dann des Augenblickes Wiederhall,
befreiend ist der kräft'ge Tritt:
der Sack fällt lang und landet mit dumpfem Knall
und nimmt all die fauligen Erinnerungen mit.
Adieu ihr Freunde, die sogenannten
Ruhet sanft ihr schmerzlichen Erlebnisse
Gehet dahin ihr Dämonen des Teufels Verwandten
Die mir bescheret diese Verdammnisse.
Bedrohlich seh ich zu Euch herab
Ganz hoch über Euch steh ich nun
Und ihr da unten im Herzensgrab
Könnt Ihr Euch nun fragen "Was tun?"
Mit langsamer Geste werf' ich eine Rose hinterher
Die Blüte schwebt sanft hinunter ins Erdenreich
Wiegt im Fallen auf den Wellen des Windes hin- und her
Und landet auf dem Leichnam meiner Vergangenheit, einer Feder gleich.
Es sollt' mir nun wohler sein ums Herz
Dennoch fällt eine Träne hinterher
Sich von sich selbst zu trennen - und sei es nur Schmerz
Ist doch, wie ich's befürchtet hab', zu schwer.
Ich strauchle, das Erdreich gibt nach unter meinem Fuß
"Ich will Euch zurück, geht noch nicht.... !"
am liebsten würde ich... ich muß, ich muß
doch während ich schreie - das Erdreich nun völlig bricht.
Begraben für immer und ewig - meine schwarzen Gedanken
Die bittersüßen Erlebnisse, die mich erst lebendig machten
Wie sie sich in mein Herz gruben, bis hinauf in den Kopf sich ranken
Ich höre noch, wie sie über mich lachten....
Ich grabe und grabe und komm nicht vom Fleck
Meine Hände sie wühlen, die Tränen heiß auf meinem Gesicht
Ich fühle an meinen Fingern den Dreck
Die Angst, sie verläßt mich nun nicht.
Erschöpft sinke ich auf dem Grabe zusammen
Ich seh's wohl, der Abschied - zu früh gewählt
Als würde jemand den Pflock mir ins Herze rammen
Da unten liegt alles, was bisher mich gequält.
Kann mich nicht lösen... noch nicht
Der Torf hält mich plötzlich gefangen
Fühle es kalt und feucht in meinem Gesicht
Zu groß und schwer das Verlangen....
Stille um mich herum, fühl nur das vertraute Leid
In meiner Hand die Rose - halb verfallen
Die Trauer umhüllt mich wie ein schwarzes Kleid
Hab versagt, wieder einmal ... der Kummer wird nie verhallen.
(28.Mai 2001)