Deprimiert
Wer kennt es nicht, das Gefühl der Leere, der absoluten Sinnlosigkeit. Vorzugsweise nach zu langen Wintern anzusiedeln, obwohl es auch vor dem Frühling oder Sommer nicht halt macht.
Man erwacht morgens mit dem Weckerläuten und während der Phase des tatsächlichen Munterwerdens fällt einem nach und nach ein: das einzige worauf man sich heute freuen kann - daß der Tag mit Sicherheit irgendwann vorbei ist und man abends wieder in sein warmes Kuschelbettchen darf, um in seine Träume zu flüchten.
Meistens können wir, nach dem Grund unseres so beschissenen Befindens befragt, noch nicht einmal genau sagen, warum alles so grau in grau ist. Also liegt es doch genau an uns, warum wir uns so fühlen, wie wir uns fühlen. Und selbst wenn es Gründe gibt, die uns runterziehen, so sollten wir uns da unten nicht so lange aufhalten, wie wir es meist zu tun belieben.
Denn: es ist mit Sicherheit mehr um uns herum, was dem Leben wieder Farbe gibt und unser Dasein erhellt - wir bauen bloß eine Mauer des Frustes und des Selbstmitleids um uns auf, die uns die Sicht auf diese Dinge nimmt. Wir neigen leider dazu, uns nach obenhin zu orientieren und ständig Fragen zu stellen: Warum verdient XY mehr als wir, warum hat YZ eine schönere Frau, das schönere Haus, Auto, Hund... etc.
Schluß damit! Fangen wir doch gleich morgen Früh mit dem Umdenken an, egal ob es Frühling oder Winter ist, ob ein ungelöstes Problem im Nacken sitzt oder XY uns nicht oder nicht mehr liebt.
Das Weckerrasseln erinnert uns daran, daß wir nicht nur munter werden, sondern leben. Ein neuer Tag hat angefangen, der noch alles bringen kann, an dem noch alles anders werden kann als bisher.
Falscher erster Gedanke: Oh Gott, ich muß aufstehen und wahrscheinlich wartet in meiner Firma wieder bergeweise Müll, der erledigt werden muß.
Richtiger erster Gedanke: Ich gehöre zu den Menschen, die eine Arbeit haben und ich stelle mich den Herausforderungen, die heute auf mich warten.
Und sollten wir zu den Menschen gehören, die einen Chef haben, der nicht sieht was wir leisten: Wir brauchen kein Lob von ihm, ein zufriedener Kunde, der lächelnd den Laden verläßt, ein erledigter Stapel Papier sollte Lob und Lohn genug sein. Denn wir wissen, daß wir gut sind!
Fassen wir uns ein Herz und stellen den Wecker 45 Minuten früher! Bevor ich gesteinigt werde: diese Zeit sollte dazu dienen, etwas Raum für uns zu bieten - einen Arbeitstag mit einem erfrischenden Bad/Dusche und mit einem Verwöhnfrühstück zu beginnen ist sicher besser, als bis zum letzten Drücker unter der Decke zu liegen, um dann zerknittert und notdürftig gewaschen mit zwei unterschiedlichen Socken zur U-Bahn zu hetzen.
Während des Frühstücks entweder leichte Lektüre geniessen oder nachdenken; und zwar darüber was der Tag alles Positive bereit halten kann, wieviele spannende Menschen einem über den Weg laufen werden. Und jeder Satz sollte mit "Ich" beginnen, denn viel zu selten machen wir uns bewußt, daß wir eine eigenständige Person sind und als einzigartiges Individuum respektiert und geliebt werden - zuallererst von uns selbst.
Die beste Kleidung sollte uns heute durch den Tag begleiten, die in der wir uns am schönsten fühlen. Auf dem Weg nach draussen freuen wir uns über den blauen Himmel, über die Sonnne, über den Regen - alles Wunder der Natur, die nicht in unserer Hand liegen, sondern wie ein Geschenk jeden Tag um uns herum passieren. Wenn wir genau zuhören, dann erzählen uns die Vögel zwitschernd eine Geschichte und der Wind singt uns blätterrauschend ein Lied.
Den Stau nutzen wir, um in fremde Autos zu lächeln, die Fahrt mit der Bahn, um ein gutes Buch zu lesen, oder in die schönen Augen unseres Gegenübers zu sehen. Irgendwo auf dem Weg zur Arbeit ist immer irgendjemand, der uns zulächelt - ein Zurücklächeln wirkt oft Wunder und erhellt, zumindest für einen kurzen Moment, den grauen Alltag
Irgendwo ist immer eine Mutter, die mit einem Kinderwagen kämpft, jemand der schwer zu schleppen hat oder einfach einem Kartenautomaten unterliegt. Nicht mehr als ein kleiner Schubs gegen unsere Gleichgültigkeit kostet es uns, hier einzugreifen und die Freude, das "Dankeschön" dafür, ist Entschädigung für all das "Böse" das heute noch auf uns lauern will.
Der knorrigste Kollege wird sanft, wenn man ihm - einfach nur so - eine frische Tasse Kaffee und ein Stück Süßes auf den Tisch stellt.
Und für den Abend nehmen wir uns vor, uns bei einem lieben Freund, den wir lange nicht gesehen haben, telefonisch oder per Email zu melden.
Das Leben ist nicht so scheußlich, wir haben es in der Hand, den Trott so zu verändern, daß es für uns wieder mehr Qualität bekommt und wir uns darin wohlfühlen.