Der grosse
Traum
von Han Suyin
Dies ist die Geschichte der Eltern der Autorin, ihres chinesischen Vaters und ihrer belgischen Mutter, darüber hinaus die Geschichte von Chinas revolutionärem Aufbruch in die Moderne während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Han Suyins Vater, der aus einer alten chinesischen Familie stammt und für eine stille Gelehrtenlaufbahn bestimmt ist, wird von der Regierung nach Belgien geschickt, um Eisenbahnbau zu studieren. Dort verliebt er sich in die Tochter einer grossbürgerlichen Familie, und allen Vorurteilen zum Trotz heiratet er sie.
Nach der Rückkehr nach China gerät das junge Paar in die Revolutionswirren von 1913, in den Wirbel politischer und sozialer Umwälzungen. Der Vater beginnt seine Arbeit am Eisenbahnbau, eine Aufgabe, die er sich nicht erträumt hat, der er sich aber mit grösster Aufopferung widmet.
Eine Kette von Enttäuschungen ist das Leben der Mutter, die mit romantischen Vorstellungen in das noch in uralten Überlieferungen befangene China gekommen ist. Den Chinesen fremd und von den Europäern geächtet, lebt sie in wachsender Vereinsamung, und trotz allen Mutes bleibt ihr schliesslich nichts als Verbitterung und Verzweiflung.
Auf den
Flügeln der Zeit
von Christina Ching Tsao bei Diana
Die schöne Tschao-Hua wird 1915 in Shanghai als zweites Kind einer wohlhabenden Familie geboren. Doch sie ist nur eine Tochter, was die Mutter ihr nicht verzeiht. Mit der Zeit lernt die junge Chinesin das Schicksal ihrer Mutter verstehen, die zwar die Erste Frau ihres Ehemannes ist, neben sich aber mehrere Geliebte, Konkubinen und Zweite Frauen dulden muss. Als Tschao-Huas Vater sich eine Konkubine nimmt, ist seine Tochter für die Überwachung von Jades Tugend verantwortlich. Die beiden Mädchen freunden sich an, und Tschao-Hua lernt von der anderen, dass sie für sich eine Leidenschaft entdecken muss, um ihre unfreie Situation zu ertragen. Schon bald weiss sie, dass sie studieren will - und zwar in Amerika. Als ihr Vater sein Vermögen verliert, bittet sie Onkel Liankui um Hilfe. Aber sie weiss, dass sie für die Rettung der Famlienehre einen hohen Preis bezahlen muss. Ihr Onkel hat ihr nämlich bereits seine Liebe erklärt, die sie jedoch nicht erwidert.
Die
Knoblauchrevolte
von Mo Yan bei Rowohlt
Seit Jahrhunderten ist der Knoblauchanbau die Lebensgrundlage der chinesischen Bauern im nordöstlichen Gaomi. Aber nun, im Jahr 1987, verfaulen die Knollen auf den Feldern, weil die Behörden sich weigern, die Ernte abzunehmen. Statt des würzig-herben Duftes, den der warme Wind einst über die Hügel wehte, liegt erstickender Modergeruch über den Dörfern. Die Misswirtschaft der korrupten kommunistischen Behörden bedroht die Existenz der Menschen in Gaomi, und in ihrer Verzweiflung zetteln die Bauern einen blutigen Aufstand gegen die verhassten Bürokraten an.
Aber die Knoblauchrevolte wird brutal niedergeschlagen, und viele der Rebellen werden verhaftet. Drei von ihnen erinnern sich an ihr Leben: Der Bauer Gao Yang, in Sorge um seine blinde kleine Tochter, die nun ohne seinen Schutz aufwachsen muss, denkt voller Angst an seine eigene Kindheit zurück, eine Jugend im Zeichen der Gewalt, denn seine Familie gehörte zu den verhassten Grossgrundbesitzern. "Tante Vier", mächtige Matriarchin in dem angesehen Fang-Clan, durchlebt noch einmal den furchtbaren Tod ihres Mannes, der sich weigerte, den Kommunisten Abgaben zu zahlen. Und sie denkt an ihre einzige Tochter, die schöne Jinjü, die ganz den Interessen ihres älteren Bruders ausgeliefert ist, nur weil sie als Mädchen zur Welt kam. Um Jinjü bangt schliesslich auch der Bauer Gao Ma: Seit er auf einem Dorffest zum erstenmal heimlich ihre Hand hielt, ist er dem schönen Mädchen verfallen und will alles daransetzen, die geplante Hochzeit mit dem hässlichen Alten Liu Shenji zu verhindern.
Verrückt
von Ha Jin bei dtv
"Alle waren überrascht, als Professor Yang im Frühjahr 1989 einen Schlaganfall erlitt." Mit diesem Satz beginnt der Student Jian den Bericht über die Zeit, in der seine Welt sich zu verrücken begann. Jeden Tag wacht Jian am Krankenbett seines Lehrers und angesehenen Literaturprofessors der Universität in Shanning. Was zunächst aussieht wie eine einfache, wenn auch ungelegene Pflichterfüllung, wird zunehmend rätselhaft, ja gefährlich, als Herr Yang plötzlich beginnt, wirres Zeug von sich zu geben: unsichtbare Peiniger fleht er um Gnade an, er singt Revolutionslieder, schwärmt von einer Geliebten mit Brüsten wie Pfirsiche, rezitiert Stellen aus Dantes "Die Göttliche Komödie", beschimpft seine Familie, seine Kollegen und das Hochschulsystem, in dem ein Gelehrter nichts weiter sei als ein Vieh auf der Schlachtbank. Seine gerade fertiggestellte Übersetzung des Brechtschen Theaterstücks "Der gute Mensch aus Sezuan" ruht hingegen unbeachtet auf der Fensterbank. Ist sein Professor nicht mehr ganz richtig im Kopf oder spricht er im Wahn gar die Wahrheit? Während Jian damit beschäftigt ist, den geheimnisvollen Äusserungen einen Sinn zu entlocken, ziehen sich nicht nur die Wolken über Beijing und den protestierenden Studenten auf dem Platz des Himmlischen Friedens zusammen, auch in Jians Fakultät nimmt das grausame Spiel um die Macht seinen Lauf.
Die Farbe des
Glücks
von Wei-Wei bei Rowohlt
Rot ist die Farbe des Glücks, und deshalb ist auch die Sänfte rot, in der im Jahre 1920 die junge Chinesin Mei-Li zur Hochzeit getragen wird, und rot sind die Schriftzeichen über der Tür des Zimmers, in dem die Hochzeitsnacht stattfinden soll.
Doch Mei-Li wartet dort vergeblich auf ihren Gemahl, und erst am nächsten Morgen erfährt sie die schreckliche Wahrheit. Nicht dem gutaussehenden Jing-Ming, den sie liebt, ist sie versprochen, sondern dessen Bruder Meng-Yu, einem gelähmten, zeugungsunfähigen Blinden.
Rot ist die Farbe des Glücks, und so wird Jahre später die wundersame Geburt von Mei-Lis Tochter Bai-Lan mit rotgefärbten Eiern gefeiert, und das Kind bekommt die traditionellen roten Seidenschühchen. Bai-Lan allerdings, die zur Opersängerin heranwächst und in Regisseur Hong die Liebe ihres Lebens findet, wird die Farbe Rot mit anderem zu verbinden lernen: mit den Bannern und Wimpeln der Kulturrevolution, die ihr den Mann raubt und ihre Tochter Fan-Fan vaterlos heranwachsen lässt...
Rot ist die Farbe des Glücks, und es ist die Farbe von Blut und Gewalt in diesem grossen Epos über das Schicksal von drei Frauen im alten und im neuen China. Gebunden an die Pflichten der Traditionen und bedrängt von den Erwartungen der modernen Zeit, kämpfen sie um ihre Leidenschaften, ihre Freiheit als Liebende.
Die Liebe ist eine schwache Kraft angesichts der umwälzenden Macht der Geschichte, aber Wei-Wei lässt sie in diesem bewegenden Roman den Sieg davontragen.
Der Clan der
Changs
von Benno Kroll bei Droemer
Shi Long An, ein kleines Dorf in Mittelchina: Im Jahre 1900 wird dort Chang Kuo-wei als jüngster Sohn des "Dorfkaisers" aus dem Clan der Changs geboren. Der jugendliche Bismarck-Fan geht zum Studium ins Berlin der Goldenen Zwanziger und lernt dort die Tochter eines böhmischen Fremdenlegionärs kennen.
Doch die Geliebte will dem aufstrebenden Ökonomen aus dem Reich der Mitte nicht in seine Heimat folgen. Zu unsicher sind ihr Anfang der 30er Jahre die Verhältnisse im Fernen Osten. Lieber heiratet sie Heinrich Kroll, einen preussischen Regierungsobersekretär. Und so bleibt Benno, Chang Kuo-weis unehelicher Sohn, in Deutschland zurück und verbringt seine Kindheit unter dem Hakenkreuz. Erst als er 21 wird, klärt ihn seine Mutter über seine chinesische Herkunft auf, und erst 1961, auf Taiwan, lernt er seinen leiblichen Vater kennen, der es vom Partisanenführer in der Mandschurei bis zum Finanzminister unter Generalissimus Chiang Kai-shek gebracht hat.
1999 besucht Benno Kroll zum ersten Mal das alte Heimatdorf des mittlerweile über den halben Globus verstreuten Clans - und wird gefeiert, als sei der Urahne Chang Hung Chu persönlich zurückgekehrt. Sein unerwarteter Besuch rührt die Dorfbewohner zu Tränen, und sie überreichen ihm das auf Seide geschriebene Familienbuch der Changs, das sie seinerzeit vor den Roten Garden versteckt hielten...
Die hundert verborgenen Sinne
von Amy Tan bei Goldmann
Olivia und Kwan sind Schwestern.Doch verschiedener könnten Frauen kaum sein. Olivia, die vielbeschäftigte Fotografin aus San Francisco, fühlt sich als Amerikanerin von Kopf bis Fuss, und an die Heimat ihres Vaters erinnern sie allenfalls noch die Frühlingsrollen aus der Tiefkühltruhe. Ganz anders ihre Halbschwester Kwan, die in China aufgewachsen ist. Sie liegt Olivia ständig mit chinesischen Weisheiten und rätselhaften Geistergeschichten in den Ohren. Dreissig Jahre hat Olivia nun schon Kwans Marotten ertragen, ohne ihre Schwester je ernst zu nehmen, hat ihre blinde Liebe erduldet, ohne sie je zu erwidern. Doch dann brechen die beiden Frauen zu einer gemeinsamen Reise nach China auf. Es wird für Olivia eine Reise in die Vergangenheit - und in die Tiefen ihrer Seele. Denn dort, in dem kleinen, von Kalkfelsen umgebenen Bergdorf, begreift sie, welches Opfer Kwan einst auf sich genommen hat. Und sie lernt, dass es im Leben nie zu spät ist, auf sein eigenes Herz zu hören und der Stimme der hundert verborgenen Sinne zu vertrauen.
Rote Azalee
von Anchee Min bei Goldmann
China zur Zeit der Kulturrevolution. Die begeisterte junge Rotgardistin Anchee Min wird in eine landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft geschickt, um dort dem Wohl des Volkes zu dienen. Sie studiert die Mao-Bibel und unterwirft sich der täglichen Routine aus Indoktrination, Disziplin und willkürlicher Denunziation. Ihr Leben wird zu einem alptraumhaften, kafkaesken Szenario, das sie für den Rest ihres Lebens nicht mehr loslassen wird. Nur einen Lichtblick gibt es. Anchee verliebt sich in eine ihrer Lehrerinnen, eine gefeierte Heldin der Revolution. Unter Lebensgefahr vollzieht sich ihr erotisches Erwachen, für das es hier weder Worte noch das geringste Verständnis gibt. Als die Affäre bekannt wird, müssen sich die beiden trennen. Anchee hat noch einmal Glück gehabt - für kurze Zeit. Sie wird unter Tausenden von Bewerberinnen für die Hauptrolle in einem monumentalen Revolutionsfilm ausgewählt. Da stirbt Mao, die "Viererbande" wird gestürzt und Anchees gesamte Welt bricht zusammen. 1984 gelingt ihr schliesslich die Flucht nach Amerika.
Die Sänfte
der Tränen
von Chow Ching Lie bei Ullstein
"Ich bin im China des Elends und der Tränen geboren" - mit diesen Worten beginnt die junge Chinesin Chow Chin Lie ihren Lebensbericht, der zugleich die Geschichte dreier Generationen einer chinesischen Familie ist. Der Grossvater zog zur Zeit der Kaiserin Tz'u Hsi (Cixi) noch als Lastenträger einer wandernden Theatertruppe durchs Land, der Vater studierte bereits an einer amerikanisch-chinesischen Universität. Chow Ching Lie selber wurde bei Ausbruch des Chinesisch-Japanischen Kriegs geboren und wuchs im bürgerlichen Milieu Shanghais auf, wo die Moderne schon Eingang in die Traditionen gefunden hat. Aber dennoch sollte Ching Lie noch getreu dem Herkommen aufwachsen.
Im Alter von dreizehn Jahren wird sie gegen ihren Willen mit dem ältesten Sohn eines der zehn reichsten Männer Chinas verheiratet. Während im Land gewaltige Umwälzungen stattfinden, die das Gesicht Chinas grundlegend verändern, zieht Ching Lie im traditionellen Brautgefährt, der "Sänfte der Freude", die für sie zur "Sänfte der Tränen" wird, durch Shanghai. Ihre Hochzeit wird vor eintausendfünfhundert geladenen Gästen mit allem Pomp und unter Einbeziehung der ältesten Riten in einer Stadt gefeiert, über der bereits die rote Fahne weht. Fünf Monate danach verkündet Mao Tse-tung die Gleichheit der Geschlechter und das Verbot der Zwangsehen - für Ching Lie kommen diese Gesetze jedoch zu spät.
Während Ching Lies Bruder sich der Kommunistischen Partei anschliesst, muss sie sich der Autorität ihrer Schwiegermutter und der neuen Familie beugen, und dies inmitten einer Epoche, in der China sich anschickt, mit einem riesigen Satz mehrere Jahrhunderte zu überspringen. Sie ist Augenzeugin der Vorbeimärsche der Soldaten Maos, der öffentlichen Schauprozesse und der Umerziehungskampagnen. Sie erlebt und erleidet alle Erschütterungen Chinas, die sich auch auf ihr Privatleben auswirken. Mit vierzehn Jahren wird sie zum erstenmal Mutter, mit sechsundzwanzig Witwe, ihre Familie wird in den Wirren der revolutionären Umwälzungen überallhin zerstreut. Am Ende findet auch Ching Lie mait ihren beiden Kindern in Paris eine neue Heimat, und hier nun erinnert sie sich voller Sehnsucht und voller Staunen an ihr Land, an seine Tradition und seine Revolution, seine Schönheit und seine Leiden.
Ein Chinese
mit dem Kontrabass
von Han Sen bei List
"In diesem Moment war ich endlich ganz in meiner Heimatstadt angekommen, nach sechsundvierzig Jahren, nach einer Tausenden von Kilometer langen Odyssee über Meere und durch viele Länder. Und ich fragte mich, was alles geschehen war, seit ich Berlin 1933 mit gerade einmal acht Jahren verlassen musste? Welch ungeheure und unüberwindliche Kraft hatte mich Chinesen wohl jahrzehntelang hierher zurückgezogen?"
Han Sen fühlt sich als ganz normaler Berliner Junge: Er spielt auf der Strasse, rauft sich mit den "kessen Strassenjungs" und wünscht sich Kartoffelpuffer zum Frühstück. Doch seine Spielkameraden, machen Schlitzaugen und singen Drei Chinesen mit dem Kontrabass, wenn er kommt. Denn dem waschechten Berliner sieht man auf dem ersten Blick an, dass er eigentlich Chinese ist. Han Sens idyllische Kindertage finden bald ein Ende: Nach der Machtergreifung Hitlers müssen seine Eltern, begeisterte Kommunisten, in die Schweiz fliehen - und es kommt noch schlimmer: Sein Vater nimmt ihn schliesslich mit nach China. Plötzlich befindet sich Han Sen in einer ihm völlig fremden Welt und er wünscht sich nur eines: zurück nach Europa! Doch sein Vater hat andere Pläne mit ihm und so gerät er in die Maschinerie der chinesischen Kommunisten. Aber seine Sehnsucht nach Berlin ist zu gross und so macht er sich eines Tages auf die abenteuerliche Reise Richtung Westen...
Die Farben des
Berges
von Da Chen bei Schneekluth
Da Chen wurde 1962 in der südchinesischen Provinz Fujian geboren - zu einer Zeit, als Maos Kulturrevolution massiv in das Leben von Millionen Menschen eingriff. Mit unglaublicher Brutalität wurde das kommunistische Regime etabliert, und Chens Familie, bislang wohlhabende Landbesitzer, gehörte praktische über Nacht einer geächteten Klasse an. Sein Vater und Grossvater wurden gedemütigt und geschlagen, wenn sie sich nur auf der Strasse zeigten. Der Junge seinerseits bettelte um Knien darum, zur Schule zugelassen zu werden, und machte merhmals die Hölle auf Erden durch.
In seinen Erinnerungen schildert Da Chen sein entbehrungsreiches Leben, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen - aber auch, ohne je den Humor zu verlieren. Leid und Armut stacheln seinen Erfindergeist an: So wird der Geächtete zum bewunderten Ping-Pong-Star, freundet sich listig mit den gefährlichsten Jungs der Schule an und vor allem mit einer gebildeten Dame aus dem Dorf, die ihn im Englischen unterrichtet. Englisch, die "Sprache der roten Haare", ist Da Chens Chance - sein Türöffner auch nach Maos Tod, als es gilt, all das Versäumte in atemberaubendem Tempo nachzuholen. Denn der grosse Traum des Jungen ist die Universität in Peking. Und dort ist nur ein einziger Studienplatz für seine Provinz vorgesehen...
Reis
von Su Tong bei Rowohlt
Internationalen Ruhm erlangte Su Tong mit seiner Erzählung "Rote Laterne". Die Kritik feierte ihn als einen der provokativsten neuen chinesischen Schriftsteller. Die unvergessliche Verfilmung von "Rote Laterne" des Regisseurs Zhang Yimou wurde für den Academy Award nominiert. Mit "Reis", seinem ersten Roman, festigt Su Tong seinen Ruf als einer der brisantesten jungen Autoren. In eindringlichen Bildern von kristaliner Schärfe erzählt Su Tong die Geschichte seines Helden Wulong, eines armen jungen Mannes, der im von Hungersnöten heimgesuchten China der dreissiger Jahre die probate Armutskarriere als Anführer einer Bande macht. Getrieben von Hunger und angezogen vom Duft des Reises, verdingt sich Wulong im Reisgeschäft des Besitzers Feng, eines argwöhnischen Haustyrannen, der mit seinen beiden Töchtern Qiyun und Zhiyun lebt. In seiner unersättlichen Gier nach Macht und Sex zerstört Wulong die Familie, die ihn aufnahm und ihm ein Obdach bot. Er übernimmt das Reisgeschäft, schliesst sich der Gang der Hafenratten an, gewinnt Macht und Einfluss und nimmt die Position des ermordeten Bandenführers "Meister Liu" ein, der den Reishandel und Waffenschmuggel der Stadt kontrollierte. Dann geht er zum Zahnarzt, lässt sich alle gesunden Zähne ziehen und ein Gebiss aus purem Gold anfertigen.
Lili
von Annie Wang bei Blessing
Lili liebt ihre Heimat China, doch ihre Freiheit liebt sie noch mehr - insbesondere seit sie aus dem Gefängnis entlassen wurde, bestraft für "lasterhaftes Benehmen" und "korrupten Lebensstil". Nun schlägt sie ihre Zeit tot, und manchmal spielt sie in einem Luxushotel vor ausländischen Gästen auf ihrer Erhu, einer traditionellen chinesischen Geige. Als sie die Gelegenheit bekommt, in den Steppen der Inneren Mongolei zu musizieren, sagt sie begeistert zu. Eines Nachts sitzt sie allein vor den Jurten und spielt "Herbstmond über dem Han-Palast", eine getragene Melodie, in der die tragische Geschichte einer verlassenen Konkubine anklingt, da spricht sie der amerikanische Journalist Roy an, in perfektem Chinesisch. Seine Augen sind von der Farbe, wie Lili sich das Meer vorstellt, und ihr Gespräch ist offen und unbefangen, wie es unter Chinesen unmöglich wäre. Lili verliebt sich in ihn, die beiden durchstreifen gemeinsam Pekings ausgeflipptes Künstlermilieu, und Lili zieht in Roys luxuriöse Wohnung.
Im chinesischen Volk wird die Forderung nach Demokratie laut. Studenten versammeln sich auf dem Platz des Himmlischen Friedens, und es herrscht tagelang die ausgelassene Atmosphäre eines Rockkonzerts. Lili läßt sich anstecken von der Begeisterung aller Bürger; sie ist ergriffen von dem Gefühl, "Teil von etwas zu sein, das größer ist als man selbst". Doch als Roy plötzlich spurlos verschwindet, als am 4. Juni 1989 Soldaten auf die friedlichen Menschen schießen, muss Lili erkennen, dass ihre Ideale in ihrer Heimat keine Zukunft haben...
Jadetöchter
von Hsu-Ming Teo bei Goldmann
Singapur - ein exotischer Ort, bunt, verwirrend, voller Leben. Für die Chinesin Grace Tay ist es aber auch ein Ort zahlloser Erinnerungen. Nach vielen Jahren in Australien kehrt sie als Erwachsene wieder in die Stadt ihrer Kindheit zurück, um mit dem Rest der Familie die Totenwache für ihre Mutter Pandora zu halten. Und um sich endlich mit Pandoras Geschichte auseinander zu setzen, der Geschichte einer Frau, die versucht hatte, sich unter schwierigsten Bedingungen ein Leben aufzubauen. Pandora wird geboren, als japanische Soldaten Singapur besetzt halten und auf der Suche nach "Trostfrauen" die Straße durchstreifen. Die Schmerzensschreie ihrer Mutter Mei Ling bei der Geburt locken die Japaner ins Haus, und viele der dort versammelten Frauen verlieren an diesem Tag mehr als nur ihren Schmuck an die Besatzer. Pandora sieht dies später als Zeichen, dass bereits vom ersten Atemzug an ein Fluch auf ihrem Leben lastete. Von ihrer Mutter abgelehnt verlebt sie einen Teil ihrer Kinheit bei ihrer Tante Madam Tan, um schließlich doch wieder in ihr wahres Zuhause zurückzukehren und mit ihren mittlerweile zahlreichen Brüdern und Schwestern aufzuwachsen. Es ist eine harte und von dem strengen Regime ihres Vaters geprägte Kindheit, aus der Pandora schließlich dank der Heirat mit dem hingebungsvollen Jonah Tay auszubrechen hofft...
Das
Tuschezeichen
von Amy Tan bei Goldmann
Ruth Young ist Halbchinesin und lebt mit ihrem Freund Art in San Francisco. Aufgewachsen ist sie in Amerika - ihre chinesiche Heimat hat sie nie gesehen. Die einzige Verbindung zu ihren Wurzeln ist Ruths Mutter LuLing, die ebenfalls in San Francisco lebt. Doch LuLing, eine starrköpfige und verschlossene Frau, hat sich ganz in ihre eigene Welt zurückgezogen. Oft hat Ruth ihre Mutter gebeten, aus ihrem Leben zu erzählen, aber LuLing flüchtete sich stets in eisernes Schweigen. Mit den Jahren hörte Ruth schließlich auf, Fragen zu stellen, und die beiden entfremden sich immer mehr. Als ihre Mutter schwer erkrankt, entdeckt Ruth jedoch unvermutet eine Art Tagebuch LuLings - und damit den Schlüssel zu der nebulösen Vorgeschichte ihrer Mutter. Denn als sie das Vermächtnis LuLings zu lesen beginnt, taucht sie nicht nur ein in die fremde, vergessene Welt ihrer chinesischen Vorfahren. Es offenbart sich ihr das tragische Geheimnis, das wie ein erstickender Schatten über dem Leben ihrer Mutter lag: Sie erfährt von ihrer Großmutter, der Frau ohne Namen, und dem Fluch, der auf ihrer Familie lasten soll. Und zum ersten Mal begreift Ruth, wie viel sie ihrer Mutter in Wahrheit bedeutet hat...
Wilde
Schwäne
von Jung Chang bei Knaur
Von der Kaiserzeit bis zu den Ereignissen am Platz des Himmlischen Friedens 1989 erzählt Jung Chang die spannungsgeladene Geschichte dreier Frauengenerationen aus dem China des 20. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt stehen die Großmutter und die Mutter der Autorin sowie Jung Chang selbst. Ihre Porträts vermitteln einen Eindruck der kommunistischen Revolution von R Mao Zedong, die China in die Moderne führte.
Inhalt: Yu-fang, die Großmutter der Autorin, wird 1924 im Alter von 15 Jahren als Opfer ihres machthungrigen Vaters dem Polizeichef der Zentralregierung in Peking als Konkubine anvertraut, was ihrem Vater eine Beförderung ermöglichte. Bao Quin, die Mutter von Jung Chang, 1931 geboren, schließt sich als junge Frau den Kommunisten im Kampf gegen die sozialrevolutionäre Guomindang-Bewegung an und heiratet Ende der 1940er Jahre einen hohen Revolutionär. Beide werden Opfer der zahlreichen politischen Reinigungskampagnen. Die Geschichte ihrer eigenen Jugend schildert Jung Chang im Spannungsverhältnis zwischen Tradition, Kommunismus und Moderne. So berichtet sie unter anderem über das chinesische Schulsystem der Mao-Ära, den Beginn der Kulturrevolution, die Aktionen der Roten Garden, die Infrastruktur des von innenpolitischen Machtkämpfen erschütterten Landes, aber auch über das alltägliche Leben, die medizinische Versorgung der Landbevölkerung sowie die allmählich sich vollziehende Demokratiebewegung nach Maos Tod. Ihre Erlebnisse veranschaulichen den chinesischen Alltag und versetzen den Leser in die Lage, politische und soziale Zusammenhänge in der Entwicklung des Landes nachvollziehen zu können.
Das rote
Reich
von Patrick Lescot bei Goldmann
Zwei Chinesen, zwei Russinnen und eine verzehrende Jahrhundertliebe. Ihre gemeinsame Geschichte beginnt Mitte der dreißiger Jahre in Moskau und endet mit dem ausgehenden 20. Jahrhundert in Peking. Russland und China, zwei von mörderischen Regierungen beherrschte Weltmächte. Die beiden Staaten verband über das Jahrhundert eine Art Brüderlichkeit, in der sich Zuneigung und Hass vermischten. Der kritisch bilanzierende Rückblick auf die Ereignisse des vergangenen Jahrhunderts ist für Russland wie für China längst geschrieben. Was bislang fehlte, war die Verknüpfung dieser beiden epochalen Dramen. In Lescots mitreißender Darstellung, die ohne Partei zu ergreifen wie eine Kamera durch das Geschehen führt, ist Li Lisan Schlüsselfigur und zentraler Verbindungsmann. Er gehörte zu den prominentesten Führern des roten China. Der Idee des Kommunismus hat er sich leidenschaftlich mit Haut und Haar und allen daran geknüpften Hoffnungen und Enttäuschungen verschrieben ebenso wie Lisa, der Frau seines Lebens. Am meisten gelitten hat er zeitlebens unter den Repressalien und der Willkür des kommunistischen Regimes, für das er unermüdlich kämpfte. Nichts von dem Geschilderten ist erfunden, alles hat sich tatsächlich so ereignet. Lescot beschwört in seinem Buch auf geradezu magische Weise die Momente großer Emotionen, in denen die Liebe die Fesseln eines menschenfeindlichen, vernichtenden Totalitarismus zu sprengen vermag.
Ein schlechter
Scherz
von Ha Jin bei dtv
Muji, die Kleinstadt im Norden Chinas, die Ha Jin uns in seinem mit dem National Book Award 1999 und dem PEN/Faulkner Award ausgezeichnet sowie weltweit hochgelobten Roman "Warten" vorgestellt hat, ist auch Schauplatz der hier versammelten Erzählungen.
Egal, ob es, wie in der Titelgeschichte "Ein schlechter Scherz", um einen Witz über "den Großen Vorsitzenden" geht, der zwei Bauern fast das Leben kostet, ob, wie in "Der Bräutigam", ein vermeintlich vorbildlicher Ehemann aufgrund seiner Mitgliedschaft in einem Männerlesezirkel des "bürgerlichen" Vergehens der Homosexualität angeklagt wird, oder ob, wie in "Cowboy Chicken kommt in die Stadt", eine amerikanische Fastfoodkette für Verwirrung unter den chinesischen Angestellten sorgt - immer ist es die Ironie der Tyrannei, die uns Leser mit den Figuren spüren läßt, was der zunehmende Einfluß des Westens auf einen immer noch durch und durch kontrollierten Alltag für bitter-ironische Konsequenzen haben kann. Es sind die unfreiwillig komischen Mißverständnisse, bei denen einem das Lachen im Halse steckenbleibt, die bei der Lektüre sowohl an Anton Tschechow als auch an den frühen Ernest Hemingway erinnern.
Das Alphabet
der Fremde
von Lan Samantha Chang, bei Goldmann
Tian ist Geiger und unterrichtet an der Musikhochschule in New York. Eine glanzvolle Karriere ist der große Traum des vielversprechenden jungen Mannes, und zunächst einmal scheint sein Weg unter einem guten Stern zu stehen. Doch dann wendet sich das Blatt, und Tian muss erkennen, dass er letztlich ein Fremder geblieben ist, der an seiner Entwurzelung scheitert. In seiner Verbitterung macht er seiner Frau Min und seinen beiden Töchtern Anna und Ruth das Leben zur Hölle. Der Versuch, seine Mädchen mit eiserner Hand zu einer musikalischen Karriere zu zwingen und das zu erfüllen, was ihm verwehrt blieb, kann nur zu Zwist und Entfremdung innerhalb der Familie führen. Min kämpft mit allen Mitteln, um der auseinanderbrechenden Gemeinschaft Halt zu geben, doch auch sie spürt, dass der Spagat zwischen der Welt ihrer Herkunft und den Anforderungen, die das Leben in der Fremde an sie stellt, sie zu zerreißen droht.
Die Menschen, von denen Lan Samantha Chang erzählt, sind erfüllt von Träumen, Hoffnungen und Sehnsüchten, die sie in einer neuen Welt verwirklichen wollen - und dennoch bleibt keinem von ihnen der schwierige Balanceakt zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Erinnern und Vergessen erspart. Denn so sehr sie sich auch bemühten, den Mantel des Schweigens über die Vergangenheit auszubreiten und den amerikanischen Traum zu leben - die Macht der alten chinesischen Mythen ist groß und erinnert sie immer wieder daran, woher sie gekommen und wer sie einmal gewesen sind.
Ich trage die
Hälfte des Himmels
von May-Lee Chai, Knaur-Verlag
Lin Jun hat alles, was sich eine moderne chinesische Frau nur erträumen kann: einen sicheren Job als Lehrerin, einen gutaussehenden Ehemann, einen reizenden Sohn, eine Schwiegermutter mit notwendigen "Verbindungen", einen Fernseher und ein Gesicht, das Glück verspricht, wie ihr einst ihre Tante verhieß.
Doch weder der Fernseher noch ihre Ehe funktionieren. Als Lin Jun die Aufgabe bekommt, für die junge amerikanische Cynthia, die sich eine zeitlang in China aufhält, zu dolmetschen, ist sie zunächst gar nicht glücklich über diese zusätzliche Arbeit. Doch ganz allmählich werden sie und Cynthia Freundinnen, und Lin Jun, die der tägliche Ärger zu Hause immer mehr aufbringt, beginnt nicht nur ihre Ehe in Frage zu stellen.
Tochter
Chinas
von Meihong Xu und Larry Engelmann, Ullstein
Als Tochter armer Bauern wird Meihong Xu 1963 in China geboren. Mit nur 17 Jahren verlässt sie ihr Heimatdorf, um der chinesischen Volksbefreiungsarmee beizutreten. Dort wird sie einer Spezialeinheit zugeteilt und beginnt eine Ausbildung zur Spionin. Sie soll Informationen über den amerikanischen Gastprofessor Larry Engelmann zusammentragen, der unwissentlich den Verdacht des chinesischen Geheimdienstes auf sich gezogen hat. Doch eine innige Liebe entspinnt sich zwischen den beiden. Meihong gerät in Gefahr: Sie wird des Landesverrats bezichtigt, verhört und soll ihren Geliebten beschuldigen, sie vergewaltigt zu haben. Der Amerikaner muss sofort das Land verlassen. Meihong selbst wird aus der Armee verstoßen und aufs Land verbannt. Völlig verarmt, einsam und entehrt schlägt sie sich nun durchs Leben. Mit ihrer letzten Kraft bittet sie Larry Engelmann um Hilfe.
Wo die Wolken
wohnen
von Aimee E. Liu, bei Heyne
Die Geschichte von Paul und Hope beginnt in Kalifornien im Jahr des großen Erdbebens 1906. Paul, eigentlich Liang Po-yu, ist der älteste Sohn einer einflußreichen, adeligen Familie und kämpft an der Seite Sun Yat-sens für die demokratische Erneuerung Chinas. Bei einem Studienaufenthalt in Amerika verliebt er sich in Hope Newfield, seine schöne und gescheite Englischlehrerin. Beide wissen, daß eine Beziehung im Grunde nicht in Frage kommt. Wie soll das gehen in einer Gesellschaft, in der es zwar gegen das Gesetz ist, Vieh zu erschießen, nicht aber einen Asiaten? Als aber das Erdbeben San Francisco zerstört und Paul Hope aus den Trümmern ihres Hauses rettet, gestehen sich beide ihre überwältigenden Gefühle ein. Sie heiraten in Wyoming, dem einzigen Staat, der gemischtrassige Ehen zuläßt. "Hsin-hsin" nennt Paul seine Geliebte, das Mandarinwort für Hoffnung.
Beide aber haben nicht mit der zerstörerischen Kraft rassistischer Vorurteile und der Macht gesellschaftlicher Konventionen gerechnet. Auch müssen sie erkennen, daß ihre inneren Überzeugungen nicht übereinstimmen - zu verschieden sind die Welten, aus denen sie kommen.
Madame Mao
von Anchee Min, bei Scherz Verlag
1919 widersetzt sich ein junges Mädchen, unerwünschte Tochter einer Konkubine, dem grausamen chinesischen Brauch, sich die Füße einbinden zu lassen. Diesem ersten Akt der Rebellion folgen weitere: Sie akzeptiert nicht, dass "Frauen wie Gras sind, dazu geschaffen, dass man darauf tritt", und glaubt fest daran, "ein Pfau unter Hühnern" zu sein. Das eigensinnige, charismatische und wunderschöne Mädchen entflieht dem Elend, indem sie sich einer Operntruppe anschließt und in Shanghai als Schauspielerin Ruhm erlangt. Als es ihr gelingt, Mao Zedongs Liebe zu erringen und die Frau des großen Revolutionsführers zu werden, glaubt sie, endlich auch eine Rolle im politischen Leben zu spielen.
Die eiserne Kaiserin
von Eleanor Cooney und Daniel Altieri, bei Blanvalet
China im 7. Jahrhundert. Buddhistische Mönche nutzen die Unruhe im Land, um ihren Einfluß auf den konfuzianischen Hof auszudehnen. Eine Verbündete für ihre Intrigen finden sie in der kaiserlichen Konkubine Wu. Von Ehrgeiz zerfressen, ist diese außergewöhnlich schöne Frau sogar bereit, ihre eigenen Kinder zu opfern, um den ihr hörigen Kaiser zu zwingen, sie zur Kaiserin zu machen. Und so wird ihr Weg an die Macht von rätselhaften Morden gesäumt. Als sie es endlich geschafft zu haben scheint und das Land im eisernen Griff hält, erwächst ihr unvermutet in dem berühmten Richter Di, einem standhaften Konfuzianer, ein listenreicher Gegenspieler. Er macht sich an die Lösung des Komplotts, das sich offenbar hinter den Morden verbirgt, und schleust den befreundeten Mönch Hsueh in den kaiserlichen Hof ein. Doch auch Hsueh verfällt der übermächtigen Anziehungskraft der Kaiserin. Um das Land vor ihrem blutigen Regime zu bewahren, bleibt Richter Di schließlich nur noch ein Ausweg: Er begibt sich selbst in die Höhle der Löwin.
Briefe in die chinesische Vergangenheit
von Herbert Rosendorfer, bei dtv
Ein Mandarin aus dem China des 10. Jahrhunderts versetzt sich mit Hilfe eines "Zeit-Reise-Kompasses" in die heutige Zeit. Er überspringt nicht nur tausend Jahre, sondern landet auch in einem völlig anderen Kulturkreis: in einer modernen Großstadt, deren Name in seinen Ohren wie Min-chen klingt und die in Ba Yan liegt. Verwirrt und wißbegierig stürzt sich Kao-tai in ein Abenteuer, von dem er nicht weiß, wie es ausgehen wird. In Briefen an seinen Freund im Reich der Mitte schildert er seine Erlebnisse und Eindrücke, erzählt vom seltsamen Leben der "Großnasen", von ihren kulturellen und technischen Errungenschaften und versucht Beobachtungen und Vorgänge zu interpretieren, die ihm selbst zunächst unverständlich sind. "Die insgesamt 37 Briefe in die chinesische Vergangenheit sind komisch und satirisch, witzig und hintersinnig, fundiert, was die tatsächliche chinesische Vergangenheit ebenso wie unsere Gegenwart betrifft", schrieb Michael Becker in den "Nürnberger Nachrichten". "Mit unverbrauchter Frische fabuliert Rosendorfer, spürt über eine phantastische Konstruktion ganz handfesten Zuständen nach. Das geht nicht ins Blaue, trifft dafür aber häufig ins Schwarze. Herbert Rosendorfers Einfallsreichtum ist erstaunlich."
Über allem die Liebe
von Pearl S. Buck, bei Ullstein
Als in China die Volksrepublik ausgerufen wird, entscheidet sich Gerald MacLeod, von Geburt Halbchinese, trotz der politischen Wirren in Peking zu bleiben. Seine amerikanische Frau Elisabeth drängt er jedoch, zusammen mit ihrem gemeinsamen Sohn Rennie in die USA zurückzukehren. Spärliche Briefe sind die einzige Verbindung der beiden Eheleute. Das Tagebuch, das Elisabeth während der Trennung führt, verrät die große verstehende und verzeihende Liebe einer Frau.
Von deutschen, holländischen und französischen Einwanderern abstammend, wurde Pearl S. Buck am 26. Juni 1892 als Missionarstochter in Hillsboro/West Viginia geboren. Schon als kleines Kind fand sie mit ihren Eltern in China ihre zweite Heimat. Eine alte chinesische Amme vermittelte ihr die traditionellen Legenden und Mythen des Landes, die zusammen mit der erlebten Umwelt den Keim für ihr späteres Werk legten. Nach dem Besuch eines englischen College und einer kurzen Rückkehr in die amerikanische Heimat rief sie die Erkrankung der Mutter, die sie zwei Jahre lang aufopfernd pflegte, wieder nach China zurück. Ihr und dem Vater hat sie später in den biographischen Romanen "Die Frau des Missionars" und "Der Engel mit dem Schwert - Gottesstreiter im fernen Land" ein unvergeßliches Denkmal gesetzt. Den ersten Roman "Ostwind - Westwind" entwarf sie 1925 auf einer Schiffsreise. Das Manuskript ging später auf der überstürzten Flucht aus Nanking vor der Nationalarmee verloren und erschien erst 1930 als Buch. Schon diese Liebes- und Ehegeschichte zeigte die ungewöhnliche Einfühlungsgabe der Dichterin und ihr Verständnis für die ost-westlichen Gegensätze. Ein Jahr später wurde sie mit dem Roman "Die gute Erde", der auch erfolgreich verfilmt wurde, weltberühmt. Für dieses Werk wurde Pearl S. Buck mit dem Pulitzer-Preis und 1938 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet; der Roman wurde in mehr als 20 Sprachen übersetzt, darunter in drei chinesische Dialekte. Die mehrfach ausgezeichnete Dichterin sowie Gründerin und Präsidentin der East and West Association war eine der wirkungsreichsten Frauen unserer Zeit. Sie gewann sich mit ihren in rascher Folge erschienenen Werken, vor allem auch mit den Romanen "Söhne", "Die Mutter", "Das geteilte Haus", "Stolzes Herz", "Drachensaat", "Letzte große Liebe" und "Alle unter einem Himmel" den Erzählungen "Die erste Frau" sowie mit ihrer Übersetzung eines der großen klassischen chinesischen Romane, des "Shui Hu shuan" (Alle Menschen sind Brüder), Leser in aller Welt. In dem Band "China - Gestern und heute" setzte sie sich noch einmal mit diesem Land und ihren Erinnerungen auseinander. Die Erfahrungen eines längeren Deutschland-Aufenthalts vor der Machtübernahme fanden in dem Buch "So kommt's dazu" ihren Niederschlag. Pearl S.Buck starb am 6. März 1973 in Zürich.
Jade
von Lisa Huang, bei Rütten & Loening
China zu Beginn des Jahrhunderts. Das Mädchen Jade führt als Tochter eines hohen kaiserlichen Beamten ein behütetes Leben. Der Tod ihres Vaters aber markiert das jähe Ende ihrer Kindheit. Nach dem Boxer-Aufstand ist das Land in eine tiefe Krise geraten, so daß, als der Vater an einer rätselhaften Krankheit stirbt, Jade ihrer Mutter helfen muß, den Tod des Familienoberhauptes noch ein paar Tage geheimzuhalten. Erst nachdem ein Bote des Kaisers ein kostbares Geschenk überbracht hat, darf Jades Mutter den Tod ihres Mannes verkünden.Während ihr Bruder glaubt, in den unsicheren Zeiten Schutz in der Armee zu finden, heiratet Jade den Sohn einer vermeintlich wohlhabenden Familie. Aber schon bald muß sie erkennen, daß sie einem Trugbild aufgesessen ist. Ihr Mann ist opiumsüchtig und hat das gesamte Vermögen der Familie verspielt. Durch ihre beste Freundin Jin Yu, eine radikale Feministin, lernt Jade den Kreis um den leidenschaftlichen Revolutionär Mao Tse-tung kennen. Sie ist fasziniert von den neuen Ideen, aber gleichzeitig schreckt sie davor zurück, sich den Revolutionären anzuschließen. Nachdem ihr Mann seiner Drogensucht erlegen ist und ausgerechnet sie unter dem Verdacht steht, ihre Schwiegereltern vergiftet zu haben, lernt sie endlich den Mann kennen, mit dem sie eine Familie gründen kann. Doch obwohl Jade stets versucht, in all den blutigen Unruhen, die im zerfallenden China ausbrechen, ihre Familie durchzubringen, muß sie erkennen, daß sie sich den Wirren der Zeit nicht zu entziehen vermag.
Warten
von Ha Jin, erschienen bei dtv premium
China, Mitte der sechziger Jahre, kurz vor der Kulturrevolution. Der Militärarzt Lin Kong, dessen Ehe von seinen Eltern und gegen seinen Willen arrangiert wurde, lernt im Militärkrankenhaus der Stadt Muji die junge attraktive Krankenschwester Manna Wu kennen. Da Ehebruch mit Entlassung und Ächtung bestraft wird, bleibt den beiden nichts anderes übrig, als darauf zu hoffen, dass Lin Kongs Frau Schuyu eines Tages in die Scheidung einwilligen wird, denn erst nach achtzehn Jahren ist es einem Ehepaar erlaubt, sich ohne die Zustimmung des Partners scheiden zu lassen. Aus diesem Grund fährt Lin Kong, der Bücherfreund und Intellektuelle, siebzehn Jahre lang jeden Sommer aus der Stadt in das rückständige Gänsedorf zu seiner kleinen Familie, um Schuyu zur Scheidung zu überreden. Hin-und hergerissen zwischen Verführung und Pflichtbewusstsein verbringt Lin Kong die Jahre des Wartens "wie ein Schlafwandler, geschubst und gestoßen von den Meinungen anderer Leute". Aber nicht nur Lin Kong wartet auf die Scheidung - auch Manna Wu und Shuyu warten um der Liebe willen, jede auf ihre Weise. Was aber geschieht mit der Liebe selbst?
China - Mein Traum, mein Leben
von Eva Siao, erschienen bei Econ & List
Es ist eine Liebesgeschichte, durch die Eva Siaos Leben 1934 eine entscheidende Wendung nimmt. Auf einer Reise durch die Sowjetunion lernt die junge Breslauer Arzttochter Eva Sandberg den chinesischen Dichter Emi Siao, einen Weggefährten Mao Zedongs, kennen. Sie heiratet ihn und folgt ihm wenig später nach China. Die Revolution und der Aufbau des neuen China nach 1949 reißen sie mit. Ihre fotografische Kunst macht sie zur Zeugin des Aufbruchs. Eva Siao ist erfolgreich, unter Schriftstellern und Künstlern hoch angesehen - und stürzt tief. Sieben Jahre Einzelhaft in den Kerkern der Kulturrevolution sind das Schicksal das sie mit unzähligen anderen teilt. Heute lebt Eva Siao, inzwischen längst voll rehabilitiert, immer noch in Beijing. Ihr umfangreiches fotografisches Werk wird zunehmend in seinem künstlerischen und dokumentarischen Werk erkannt und in zahlreichen Ausstellungen gezeigt. Auch ein Dokumentarfilm ist über ihr Leben und ihre fotografischen Arbeiten entstanden.
Wege der Seidenfrauen
von Gail Tsukiyama, erschienen im Europa Verlag
Dies ist der Roman von der 27jährigen Pei, die mit der 14jährigen Waise Ji Shen 1938 ins überfüllte Hongkong kommt, von den Menschen ihrer Umgebung und ihrem jahrzehntelangen Kampf ums Überleben. Es ist der Roman Hongkongs und seiner Widersprüche, vom Alltag von reichen Chinesen und Europäern und dem Millionenheer der Armen und Flüchtlinge vor der Folie des aufziehenden Krieges, dann der japanischen Besatzung, schließlich der geschlossenen Grenze zu Maos China. Vor allem ist es der Roman von Frauen, die an einem immerwährenden Netz von Beziehungen weben, zwischen Schwestern und Nachbarinnen aus Geschichte und Gegenwart, zwischen der Schwesternschaft der ehemaligen Seidenarbeiterinnen und den Hausangestellten, über alle historischen und bedrohlichen Geschehnisse hinweg vom Kriegsbeginn bis in die siebziger Jahre.
Freundesschwur
von Bette Bao Lord, erschienen bei Hoffmann & Campe
Nach ihrem erfolgreichen "Frühlingsmond" meldet sich Bette Bao Lord, die epische Stimme Chinas, mit einem neuen, großen Roman zurück. Sieben Jahrzehnte chinesischer Geschichte, von 1919 bis 1989, bilden den Hintergrund einer bewegenden Liebes- und Familiengeschichte, die die Lebenswege dreier Freunde - Hoffnungsschwert, Bergkiefer und Sommerwünsche - und ihre privaten wie politischen Irrungen und Verstrickungen spiegelt. Die drei Freunde, noch Kinder, schwören sich einen unverbrüchlichen Eid: "Wir drei, auch wenn wir verschiedenen Standes sind, wollen ein Leben lang zusammenstehen. Wir schwören, unser Land zu verteidigen und unser Volk zu schützen. Auch wenn es nicht in unserer Macht lag, zur gleichen Stunde geboren worden zu sein, so geloben wir doch, am gleichen Tag in den Tod gehen zu wollen." Aber das Schicksal willl es, daß sie wieder und wieder getrennt werden, herausgefordert und auf die Probe gestellt in ihrer Liebe zum Vaterland und zur Familie, in ihrer Liebe füreinander, für die Freunde und für sich selbst.
Der verratene Sommer
von Hong Ying, erschienen im Krüger Verlag
Am Abend des 4. Juni im Jahre 1989 muß die junge Lin Ying vom Platz des Himmlischen Friedens in Beijing vor dem Kugelhagel, den Panzern und den Soldaten fliehen - die chinesische Regierung hat beschlossen, den Studentenunruhen ein rigoroses Ende zu setzen. Die junge Frau versucht verzweifelt zu ihrer Wohnung zurückzukehren, die sie mit ihrem Geliebten teilt. Als sie endlich dort ankommt, findet sie ihn aber im Bett mit seiner ehemaligen Frau vor und muß erkennen, daß sie auch in ihrem privaten Leben betrogen wird. Lin Ying läuft kopflos davon - immer in Gefahr, in den Mahlstrom des Terrors zu geraten. In den darauffolgenden Monaten der Repression verändert sich Lin Ying sehr - ausgelöst durch die schmerzlichen Erinnerungen und die Unmöglichkeit, in das alte Leben zurückzukehren. Sexuelle Freizügigkeit und erotische Abenteuer scheinen die einzigen Freiheiten zu sein, die ihr geblieben sind, aber auch hier geht der Staat hart gegen Abweichungen von der herrschenden Moral vor. Der verratene Sommer ist eine poetische und dennoch genaue Beschreibung des Wendepunktes in der chinesischen Geschichte und ein cri de coeur der Generation, die durch die brutale Niederschlagung des Aufstandes ihre Zukunft verloren hat.
Auf dem goldenen Berg
von Lisa See, erschienen bei Droemer Knaur
Als Lisa See ein kleines Mädchen war, verbrachte sie die Sommertage am liebsten in dem weitläufigen Antiquitätenladen, den ihre Familie im Herzen von Chinatown in Los Angeles betrieb. Schön waren die vielen unglaublichen Geschichten, die ihre Großmutter erzählte. Das waren keine erfundenen Geschichten, aber sie hatten etwas Märchenhaftes, die Erzählungen aus der Vergangenheit der Familie See. Sie handelten von Missionaren und Konkubinen, von Konflikten mit dem chinesischen Geheimbund und den amerikanischen Behörden, von berühmt-berüchtigten Nachtclubs, vom Kampf um Arbeit, Liebe und Erfolg, aber auch vom Kampf gegen die Rassendiskriminierung. Lisas Urgroßvater war der erste aus der Familie, der das bitterarme chinesische Dorf Dimtao verließ, um auf dem "Goldenen Berg" - so die chinesische Bezeichnung für Amerika - sein Glück zu finden. Das gelang allerdings nicht ihm, sondern erst seinem Sohn Fong See, der sich 1871 auf denselben Weg machte. Mut und Tüchtigkeit waren sein einziges Kapital, aber genau damit schaffte er es, sich unter schwierigsten Umständen eine erfolgreiche Existenz aufzubauen. Obwohl es gesetzlich verboten war, heiratete er eine weiße Amerikanerin und wurde so zum Patriarchen einer weitverzweigten Familie und zu einem der einflußreichsten chinesischen Geschäftsmänner in Amerika. Im Laufe ihrer fünfjährigen Recherchen sprach Lisa See mit über hundert Verwandten - mit chinesischen und weißen, mit reichen und mit armen: sie durchforstete zahllose Speicher und Keller, aber auch die Register der Einwanderungsbehörden und der Nationalarchive. Das Bild, das aus diesen vielen, so lebendig erzählten Details entstand, ist weit mehr als das Porträt einer Familie - es ist ein Spiegel der Erfahrungen, die chinesische Einwanderer in Amerika machten und machen, wie auch der Erfahrungen Amerikas mit seinen Einwanderern.
Fallende Blätter
von Adeline Yen Mah bei Diana
Kurz nach Adeline Yen Mahs Geburt 1937 stirbt die Mutter, und somit scheint auch das Schicksal der Tochter besiegelt: Sie ist ein Kind des Unglücks, ein Familienmitglied ohne Rechte, noch weniger wert als der Hund. Ihr Leben lang wird sie vor dem Hintergrund der politischen Ereignisse des Zweiten Weltkriegs, der brutalen japanischen Besatzung, der Kulturrevolution und ihrer bis heute spürbaren Folgen um ihre Stellung in der Familie und um ihre Identität als Frau zwischen chinesischer Tradition und westlichen Werten ringen.
Ausgehend von der Testamentseröffnung nach dem Tod des Vaters, um dessen Erbe die Kinder aus erster Ehe betrogen werden, erinnert sich Adeline an ihre freudlose Kindheit unter der herzlosen Stiefmutter, an die Machtkämpfe zwischen den Geschwistern und an ihre Flucht nach London und schließlich in die USA, wo sie Ärztin wird, ihr Glück in der Ehe mit dem chinesischstämmigen Bob findet und endlich ihren Frieden mit der Vergangenheit macht.
von Pu Yi bei dtv
Vom "Sohn des Himmels" zum "Sohn des Volkes", das sind die beiden Pole der abenteuerlichen Lebensgeschichte des letzten Kaisers von China, Pu Yi, seines Weges vom absolutistischen Herrscher auf dem Drachenthron zum gläubigen Untertan Maos. Dieser Weg, der beispiellos ist in der Geschichte, führt von der phantastisch entrückten Welt des kaiserlichen Hofes in Peking über die Wirren des chinesischen Bürgerkriegs zu den Gefängnissen der Volksrepublik mit ihren "Gehirnwäschen". Durch Pu Yi erfährt man zum ersten Mal Einzelheiten aus der mit ihm versunkenen Welt der Verbotenen Stadt, von Eunuchen und Hofschranzen, Intrigen und Mord und von dem Zwang des Hofzeremoniells. nach seiner Vertreibung aus Peking durch die Bürgerkriegstruppen hofft er in seinem Exil in Tientsin noch auf eine Rückkehr auf den Drachenthron - eine Hoffnung, die sich unter gespenstischen Umständen erfüllt, als ihn die Japaner zum Marionetten-Kaiser des "Kaiserreichs Mandschuguo" machen. Nach 1945 ist Pu Yi - zunächst in russischer, dann in chinesischer Gefangenschaft - nur noch ein hilfloser, von Todesangst gepeinigter Mensch und als solcher Objekt einer höchst raffinierten Umerziehung, die aus dem ehemaligen Herrscher über Millionen einen überzeugten Anhänger Maos, den "Neuen Menschen", macht.
Die Kinder der Konkubine
von Denise Chong bei Europaverlag
Es ist das Jahr 1924. May-Ying wird dem chinesischen Gastarbeiter Chan Sam als Konkubine nach Kanada geschickt, während dessen Ehefrau in der chinesischen Heimat bei der Familie zurückbleibt. Der Plan, in Kanada genug Geld für den Bau eines großen Hauses für den Clan zu verdienen und damit nach China zurückkehren, droht immer wieder zu scheitern. Die ersten beiden Töchter der Konkubine werden bei einem Besuch in China traditionsgemäß der kinderlosen Ehefrau Chan Sams übergeben. May-Ying aber muß mit Chan Sam nach Kanada zurück. Erst die dritte Tochter, Hing, nach der Rückkehr in Kanada geboren, darf bei der Mutter bleiben - auch als May-Ying sich von Chan Sam trennt und die Familie ebenso wie der Traum vom Leben als Großfamilie in China zu zerbröckeln scheinen. Nach May-Yings und Chan Sams Tod stößt die Enkelin Denise auf alte Fotos und Briefe, Zeugnisse ihrer Familiengeschichte. Gemeinsam mit ihrer Mutter Hing beschließt sie, den chinesischen Familienteil zu suchen, dessen Spuren sich in den Jahren der Kulturrevolution verloren hatten. 1987 schließlich kommt es zu einem bewegenden Treffen zwischen dem kanadischen und dem chinesischen Familienzweig. Es findet in China statt, in jenem Haus, das Chan Sam mit dem von der Konkubine May-Ying so hart erarbeiteten Geld für den Clan erbaut hatte.
Grüner Tee und Coca-Cola
von Pang-Mei Natasha Chang bei Kiepenheuer&Witsch
Yu-i, Tochter einer wohlhabenden und den traditionellen Werten Chinas verpflichteten Familie, wird in eine Zeit des Umbruchs hineingeboren. Die politischen Unruhen, der Sturz des letzten Kaisers, die kommunistische Revolution prägten ihr Leben ebenso wie der zunehmende Einfluß westlicher Wertvorstellungen. Als Kind entgeht sie nur durch den entschlossenen Einspruch eines Bruders, der traditionellen Verstümmelung ihrer Füße. Mit Fünfzehn wird sie - von den Familien arrangiert - an einen ihr unbekannten Mann verheiratet, der ihr noch in der Hochzeitsnacht die Scheidung ankündigt. Entschlossen geht sie ihren Weg und findet zu ihrer Identität. Sie wird eine erfolgreiche Geschäftsfrau, heiratet ein zweites Mal und emigriert 1974 in die USA. Dort trifft sie die junge Pang-Mei Natasha Chang, ihre Großnichte. Die beiden führen intensive lange Gespräche und lassen so das erstaunliche Leben Yu-is lebendig werden.
Land meines Herzens
von Anchee Min bei Goldmann
Sie hat flammendrote Haare, ist erfrischend unkompliziert und bringt in ihrem Gepäck jede Menge Beatles-Platten mit. In Shanghai soll sie junge talentierte Chinesen in Englisch unterrichten. Und kaum hat die Amerikanerin Katherine das Klassenzimmer betreten, keimt in den Herzen ihrer Studenten eine wilde, ungestüme Hoffnung auf, die Hoffnung auf ein freies, aufregendes Leben. So wie es im Westen möglich zu sein scheint, nicht aber in China, denn obwohl seit dem Tod des Vorsitzenden Mao im Reich der Mitte eine vorsichtige Annäherung an den Westen versucht wird, bestimmt auch 1982 die allgegenwärtige Partei den Alltag. Shao-jun Wong ist von Katherine besonders fasziniert. In einem Arbeitslager hat die junge Frau alle Illusionen verloren, und der unverwüstliche Optimismus ihrer neuen Lehrerin erscheint ihr wie ein Versprechen am morgendlichen Horizont. Zwischen den beiden Frauen entwickelt sich eine tiefe Freundschaft, die mehrmals hart auf die Probe gestellt wird und schließlich an den politischen Verhältnissen der Zeit zu zerbrechen droht.
Die Frau des Feuergottes
von Amy Tan bei Goldmann
Fast vier Jahrzehnte lang hat Winnie Louie ihrer Tochter Pearl die ganze Wahrheit über ihr Leben verschwiegen. Doch dann sieht sie sich eines Tages gezwungen, den Mantel des Schweigens zu lüften. Zaghaft beginnt sie Pearl zu erzählen - vom Zauber und Schrecken ihrer Jugend im vorrevolutionären China, von der grausamen Enttäuschung erster Liebe, von den Wirren des Krieges und vom Küchen- und Feuergott und seiner Frau. Unmerklich beginnen ihre Worte eine Brücke über die Kluft zu schlagen, die sich über die Jahre zwischen ihr und Pearl gebildet hat. Und mit einemmal eröffnet sich eine neue Welt der Gemeinsamkeit und Verbundenheit zwischen Mutter und Tochter.
Töchter des Himmels
von Amy Tan bei Goldmann
"Nichts weißt du von mir", hat sich Daisy Tan einmal bei ihrer Tochter Amy beschwert, "so gut wie nichts." Doch Amy Tan hat einen wunderbaren Weg gefunden, ihre Mutter zu widerlegen - mit ihrem Roman Töchter des Himmels. "Du hast mich gefragt, was ich im Gedächtnis behalten würde", schreibt sie in der Widmung ihres Romans. "All dies, und noch viel mehr." Sie erzählt die Geschichte von vier Frauen, die während des Zweiten Weltkriegs aus Rotchina in die USA geflohen sind, um sich dort eine neue Existenz aufzubauen. Und die Geschichte, ihrer vier Töchter, die mit neuen Vorstellungen und Träumen aufgewachsen sind und nichts mehr von dem fremden Erbe ihrer Mütter wissen wollen. Dabei haben sie die einmalige Chance, zwei Welten in sich zu verbinden - aber das erkennen sie erst am Ende eines langen Weges. Wie aus unzähligen Mosaiksteinchen entsteht aus den verschiedenen Erzählungen der Frauen ein faszinierendes, vielgestaltiges Gemälde des Zusammenpralls zweier Kulturen, der Geheimnisse des Ostens und der Verheißungen des Westens und des ewig neuen und doch immer gleichen Konfliktes zwischen Müttern und Töchtern.
Der Traum der roten Kammer
von Tsao Hsüe Kin und Kao O, übersetzt von Franz Kuhn bei Insel Verlag
Der Roman, eine Art Lebensbrevier der chinesischen Jugend, fesselt durch den Lauf der Handlung. Die handelnden Personen sind lebendig charakterisiert, Menschen von Fleisch und Blut agieren in einer wirklichkeitsgetreu dargestellten Welt. Aber es gibt auch eine taoistische Grundtendenz dieses Werks, die sich mit folgenden beiden Versen umschreiben läßt: "Wünschen, streben, sehen, schmachten - alles Wahn! Wozu das Trachten?" Inhalt des "Traums der roten Kammer" ist die Geschichte vom Glanz und vom selbstverschuldeten Verfall eines edlen, großen Geschlechts, das schließlich dank der sittlichen und geistigen Hochleistung eines an sich entarteten Sprößlings - Pao Yü beugt sich pietätvoll dem Willen der Eltern und ringt sich, entgegen seiner Natur, das Opfer ab, sich zur Prüfung zu stellen und sie in Ehre zu bestehen - wieder zu Aufstieg gelangt. Dieses Lieblingsbuch der Chinesen gilt als der große Roman der Tsing Dynastie, die von 1644 bis zum Ende des chinesischen Kaiserreichs 1912 währte. Der Klassiker der chinesischen Literatur ist in den dreißiger Jahren des 18.Jahrhunderts verfaßt worden.