Bäume auf dem Tablett
Bäume
in der Schale, Pflanzen auf dem Tablett? Was in China und Japan Tradition
hat, erfreut sich auch im Westen immer größerer Beliebtheit: die
Pflege von Bonsais, von kleinen Bäumen. Der japanische Begriff erklärt
sich aus Bon - Schale oder Tablett - und Sai, das für Baum oder Pflanze
steht.
Obwohl das japanische Schriftzeichen für Bonsai dem chinesischen entspricht, ist in China von Pun-sai oder Punching die Rede. Unter Punsai versteht man einen Baum, der ohne "Landschaft" in ein Gefäß gepflanzt wurde, während Punching einen Baum bezeichnet, den man zusammen mit Steinen und Gräsern arrangiert hat.
Diese Punching reichen in der chinesischen Kultur weit zurück. Damals begannen Landschaftsgestalter, die berühmten künstlichen Felsengärten im Kleinformat nachzustellen. Neben Punching werden die Punsais erstmals in der Tsing-Dynastie (221 bis 206 v.Chr.) erwähnt. Die Chinesen verwenden heute Penjing als Sammelbegriff für Miniaturbäume in Schalen wie auch für Miniaturlandschaften.
Die kleinen und kostbaren Pflanzen wurden früher im Garten so aufgestellt,
daß sie neugierigen Blicken verborgen blieben. Wenn ein Penjing-Sammler
Besuchern
seine
Pflanzen zeigen wollte, lief das fast wie ein Ritual ab. Diener brachten
den ersten Penjing herbei. Das "Kunstwerk" wurde betrachtet, Bemerkungen
zu Qualität und Stil ausgetauscht. Danach wurde der Baum wieder an seinen
Standplatz gebracht und der nächste Penjing geholt. Diese Treffen waren
für das gesellschaftliche Ansehen immens wichtig.
Gedichte und Gemälde erzählen von der Schönheit der kleinen Kostbarkeiten, deren Besitz lange ausschließlich den Vornehmen und Reichen vorbehalten war. Der ZEN-Buddhismus prägte die enge Beziehung der Menschen zur Natur. Die Verehrung einfacher Formen, Sinn für das Wesentliche und Huldigung der natürlichen Harmonie sind bis heute Grundlagen der Bonsai-Kultur.
Gegen Ende der Ming-Dynastie (1368 bis 1644) brachten buddhistische
Mönche
(andere Überlieferungen sprechen von einem Beamten) die Bonsai-Kultur
nach Japan. Die Japaner waren es dann, die den westlichen Ländern diese
Kultur vorgestellt haben. Zuerst auf der Weltausstellung in Paris 1878, dann
in London 1909.